Landau – Besser entscheiden, besser mit Stress umgehen: Studie erklärt Zusammenhang zwischen Resilienz und Entscheidungsverhalten

Warum kommen manche Menschen auch unter Stress besser mit Belastungen zurecht als andere? Eine neue psychologische Studie von Forschenden der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und der Universität Amsterdam liefert neue Einblicke in diese Frage. Die Ergebnisse zeigen: Eine höhere Resilienz geht mit der Tendenz einher, positive Aspekte bei Kosten-Nutzen-Entscheidungen stärker zu gewichten. Vermittelt wird dieser Zusammenhang durch eine besondere Verarbeitung negativer Informationen im Gehirn.
In der Studie untersuchte das Forschungsteam, wie die psychische Widerstandskraft damit zusammenhängt, wie Menschen positive und negative Informationen abwägen, wenn sie Entscheidungen treffen – eine Situation, die im Alltag ständig auftritt. Die Teilnehmenden mussten in einer experimentellen Aufgabe wiederholt Kosten-Nutzen-Entscheidungen treffen, bei denen Farben und geometrische Formen mit kleinen Geldgewinnen und -verlusten verknüpft waren. Im Verlauf des Experiments entschieden sie wiederholt, ob sie bestimmte Angebote annehmen oder ablehnen wollten. Währenddessen wurde ihre Gehirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) gemessen. Mithilfe dieses nicht-invasiven, bildgebenden Verfahrens wird Hirnaktivität durch das Messen lokaler Veränderungen im Sauerstoffgehalt des Bluts dargestellt. Anhand statistischer Modelle analysierte das Forschungsteam, wie stark einzelne Personen positive Informationen im Vergleich zu negativen gewichten – und wie dies mit Merkmalen psychischer Resilienz zusammenhängt.
Positive Entscheidungstendenz bei starker Reaktion auf Negatives
Die Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang: Personen, die bei Entscheidungen positive Informationen etwas stärker berücksichtigten als negative, wiesen höhere Werte bei der Akzeptanz auf – einem wichtigen Faktor für psychische Resilienz. Überraschend für die Forschenden war, wie dieser Zusammenhang im Gehirn zustande kam. „Entgegen unserer ursprünglichen Annahme reagierte das Gehirn der Personen mit höherer Resilienz nicht generell sensibler auf positive Informationen“, erläutert die Landauer Psychologieprofessorin Ulrike Basten. Stattdessen zeigte ihr Gehirn stärkere neuronale Reaktionen auf negative Informationen, insbesondere in Hirnregionen, die für die kognitive Kontrolle und die Regulation von Informationsverarbeitung relevant sind. Eine stärkere Regulation der Verarbeitung negativer Aspekte kann erklären, wieso diese im Entscheidungsprozess weniger stark ins Gewicht fielen.
Resilienz entsteht durch regulierten Umgang mit Negativem
„Unsere Befunde sprechen dafür, dass psychische Resilienz nicht bedeutet, negative Informationen auszublenden oder weniger wahrzunehmen“, erklärt Ulrike Basten. Vielmehr scheint psychische Widerstandskraft damit zusammenzuhängen, wie negativ bewertete Informationen verarbeitet und reguliert werden. Diese stärkere Kontrolle kann dazu führen, dass negative Aspekte bei Entscheidungen weniger stark ins Gewicht fallen als positive, obwohl sie im Gehirn intensiv verarbeitet werden.
Damit ergänzt die Studie frühere Forschung zu Besonderheiten in der Informationsverarbeitung, die Resilienz vor allem mit Aufmerksamkeitsmechanismen oder der Interpretation mehrdeutiger Informationen in Verbindung gebracht hat. Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass auch alltägliche Entscheidungsprozesse eng mit psychischer Widerstandskraft verknüpft sind.
Überraschende Ergebnisse und neue Perspektiven
Besonders überraschend war für das Forschungsteam, dass eine positivere Entscheidungsneigung nicht durch eine erhöhte Sensibilität für positive Reize erklärt werden konnte. Stattdessen spielte die Art der Verarbeitung negativer Konsequenzen eine zentrale Rolle. Die Differenzierung war in bisherigen Studien so nicht systematisch herausgearbeitet worden und eröffnet neue Perspektiven auf die neurokognitiven Grundlagen psychischer Resilienz.
Resilienz möglicherweise trainierbar
„Auf Grundlage der Ergebnisse sehen wir spannende Ansatzpunkte für künftige Studien“, so Basten. Ein nächster Schritt könnte sein zu untersuchen, ob sich Entscheidungsprozesse gezielt trainieren lassen – etwa hin zu einer stärkeren Berücksichtigung positiver Informationen – und ob ein solches Training die psychische Resilienz tatsächlich fördern kann. Sollte sich ein ursächlicher Zusammenhang bestätigen, könnten entsprechende Ansätze langfristig auch in der Prävention oder Therapie psychischer Belastungen ein Thema spielen.
Die Studie:
Rebecca Rammensee, Andrew Heathcote, and Ulrike Basten: Positive Bias in Value-Based Decision Making: Neurocognitive Associations With Resilience. In: Journal of Neuroscience. DOI: 10.1523/JNEUROSCI.1734-25.2026
RPTU | Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern Landau
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