Ludwigshafen – Revisionsendoprothetik, die zweite Chance für Gelenke wie Hüfte und Knie

Wenn das künstliche Gelenk nicht mehr hält
Von außen sieht man nichts – und doch spüren Betroffene jeden Schritt. Wenn ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk nach Jahren Schmerzen verursacht, nicht mehr richtig sitzt oder sich sogar gelockert hat, steht eine schwierige Entscheidung an: Eine Revisionsoperation, also der Austausch oder die Reparatur des bestehenden Implantats.
Was nach einer Wiederholung klingt, ist tatsächlich eine der komplexesten Operationen in der modernen Orthopädie. „Eine Revision ist nie einfach ein zweiter Einsatz“, erklärt Oberarzt MHBA Mhd Naoras Al Hourani, Leiter der Sektion Revisionsendoprothetik im St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus Ludwigshafen. „Wir betreten operativ oft schwieriges Terrain, weil Knochen, Bänder und Weichteile bereits verändert oder geschwächt sind.“
In Deutschland werden jedes Jahr rund 40.000 künstliche Gelenke revidiert, vor allem an Hüfte und Knie. Die Gründe sind vielfältig: Manchmal lockert sich die Prothese durch den natürlichen Verschleiß des Knochengewebes. In anderen Fällen kommt es zu Infektionen, Brüchen oder Materialschäden. „Ein künstliches Gelenk ist sehr belastbar – aber nicht unsterblich“, sagt Al Hourani. „Nach 15 bis 20 Jahren zeigen viele Implantate erste Ermüdungserscheinungen. Und je jünger und aktiver die Patienten sind, desto eher kann das passieren“, macht der Spezialist deutlich. Auch Infektionen sind wichtige Indikatoren für den Wechsel. Denn selbst Jahre nach der ersten Operation können Bakterien über das Blut zur Prothese gelangen. „Dann hilft kein Antibiotikum mehr dauerhaft – das Implantat muss raus“, erläutert der erfahrene Operateur.
Das bedeutet Präzisionsarbeit am geschwächten Knochen. Eine Revision ist kein Routineeingriff. Die Chirurginnen und Chirurgen müssen zunächst die alte Prothese entfernen – ein Prozess, der oft schwieriger ist als das Einsetzen des ursprünglichen Gelenks. „Das Gewebe ist vernarbt, der Knochen manchmal ausgedünnt, und wir haben weniger Halt für das neue Implantat. Wir müssen also nicht nur ersetzen, sondern auch rekonstruieren“, betont der Spezialist. Das erfahrene Team der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. Johannes Stöve, zu der die Revisionsendoprothetik gehört, implantiert im Jahr 800 Hüft-Endoprothesen und über 700 Knie-Endoprothesen. Oberarzt MHBA Mhd Naoras Al Hourani steht täglich im Operationssaal und hat sich auf die anspruchsvollen Wechseloperationen spezialisiert.
Gerade bei komplexen Revisionsoperationen sei es wichtig, dass die Behandlung in einem spezialisierten Zentrum, das über erfahrene Teams und moderne technische Ausstattung verfügt, erfolgt. Dazu gehört auch das St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus, das als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung zertifiziert ist. „Hier zählt Erfahrung wirklich doppelt“, betont Al Hourani. „Chirurgen, die regelmäßig Revisionen durchführen, können besser einschätzen, welche Prothese passt, wie man den Knochen schont und wie man Komplikationen vermeidet.“
Vor einer Revisionsoperation sollte eine gründliche Diagnostik erfolgen: Röntgenaufnahmen, CTs oder spezielle Szintigrafien helfen, die Ursache für Schmerzen oder Lockerungen zu erkennen. Denn manchmal steckt hinter den Beschwerden nicht die Prothese selbst, sondern ein anderes Problem. „Die zweite Operation ist immer eine größere Herausforderung – aber sie kann Lebensqualität zurückbringen, wenn alles sorgfältig geplant wird“, sagt der Mediziner. Die Auswahl der Implantate erfolge nach festgelegten Schemata und wissenschaftlichen Kriterien, um eine möglichst hohe Qualität sicherzustellen. Dabei werden die individuellen Bedürfnisse und die Mobilitätsziele der Patientinnen und Patienten ebenfalls berücksichtigt. Auch der Einsatz innovativer Implantate und moderner Verfahren ist ein großer Vorteil für Patientinnen und Patienten. Studien zeigen, dass deren Zufriedenheit nach einer erfolgreichen Revision hoch ist. Manchmal ist die zweite Prothese die, die wirklich ein neues Leben schenkt. „Wir haben heute Implantate, die besser halten, sich individueller anpassen lassen und weniger Komplikationen verursachen“, ist das Fazit von MHBA Mhd Naoras Al Hourani. So kann die Operation das bewirken, was sich Betroffene am meisten wünschen: wieder schmerzfrei gehen, sitzen und vor allem leben.
Foto freigegeben für die Berichterstattung (Bildrechte St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus, Fotografin: Alina Fiene Photography)
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