Ohne große Investitionen effektiv Heizkosten sparen

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Heizkörper, auf dem 50€-Schein liegt

von unserem Mitarbeiter Andreas Cattarius

Die Effizienz einer Heizungsanlage, gerade in Zeiten der Energieknappheit, zu erhöhen ist das Gebot der Stunde! Und schon einfache, kostengünstige Maßnahmen führen zu spürbaren Verbesserungen. Es muss nicht gleich die komplette Heizungsanlage ausgetauscht werden …

Hier sechs Vorschläge für Euch: Effektive Optimierungen, die helfen echtes Geld zu sparen:

  • Erneuern der alten Thermostate
  • Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage
  • Optimierung der Reglung
  • Dämmen der Heizungsrohre
  • Austausch der Heizungspumpe
  • Absenkung der Temperatur nachts

1. Erneuern der alten Thermostate

Die Thermostate einer Heizungsanlage regeln die Temperatur im Raum. Sie bestehen im Wesentlichen aus einem Temperaturfühler und einem Ventil. Mit diesem Fühler lässt sich die Temperatur der jeweiligen Umgebung exakt bestimmen. Er dehnt sich aus, sobald die Temperatur ansteigt und schließt dabei das Ventil.

Dadurch wird der Durchlauf des Heizwasser gesenkt so dass der Heizkörper weniger Wärme abgibt. Während das bei alten Thermostaten noch sehr ungenau funktioniert, können das moderne Regler sehr genau steuern. Moderne Thermostate sorgen so für einen höheren Komfort und bewahren die Bewohner vor unnötig hohen Heizkosten. Geht es beispielsweise um einen hydraulischen Abgleich, sind dann auch sogenannte voreinstellbare Thermostatventile  nötig.

Digitales Standard-Thermostat / Gerd Altmann für Pixabay

Doch die Preisspanne ist groß. Die günstigsten Modelle kosten etwa 10,- €, also so viel wie ein von Hand zu bedienendes Standard-Thermostat. Modelle mit mehr Komfort können ab 35,- € für ein Thermostatventil plus 25,- € für einen Fensterkontakt kosten. Thermostate für Smart-Home-Lösungen  kosten etwa ab 40,- €.

2. Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage

Über 80% aller Heizungsanlagen im Bestand haben ein riesiges Optimierungspotential. Daher ist ein hydraulischer Abgleich prinzipiell immer zu empfehlen. Denn er optimiert den Betrieb der Heizung, sorgt für niedrigere Heizkosten und ein angenehmes Raumklima.

Bei einem hydraulischen Abgleich werden alle Fließwege der Heizungsanlage auf einheitliche hydraulische Bedingungen eingestellt. Er sorgt schließlich dafür, dass jetzt alle Heizflächen im gesamten Haus gleichermaßen ausreichend warm werden. Bei der richtigen Optimierung kann neben einer geringeren Leistung der Umwälzpumpe auch die Vorlauftemperatur geringer eingestellt werden.

Als reine Dienstleistung kostet der hydraulische Abgleich pro Heizkörper ca. 70,- € oder für ein Standard-EFH etwa 700,- €.

3. Optimierung der Regelung

Neben dem Wärmeerzeuger, den Wärmeverteilern, also den Rohrleitungen und den Heizflächen, gehört die Regelungstechnik ebenfalls zu den bestimmenden Elementen einer Heizungsanlage. Das Haus bleibt ohne die Regelungs- und Verteilungstechnik selbst beim allerbesten Brennwertkessel kalt. Diese Technik soll die Wärme (automatisch) optimal verteilen und so einen guten Wohnkomfort erhalten.

Wird zum Beispiel der Temperaturfühler einer witterungsgeführten Heizung(1)  nicht an die spezifischen Eigenschaften (Altbau, Neubau – gedämmt, ungedämmt) des Hauses angepasst, kann es passieren, dass der Kessel mal zu viel oder mal zu wenig Wärme erzeugt. Während beim ersten Fall die Heizkosten steigen, sinkt im zweiten Fall die Behaglichkeit.

Die Optimierung funktioniert dabei ganz einfach zum Beispiel über die Anpassung der Heizkurve(2) . Bei einem winddichten und gedämmten Gebäude ist es in der Regel nicht notwendig, dass die Heizung sich einschaltet, sobald die Außen­tempera­tur unter 20°C fällt, da auch anwesende Personen und andere Wärmequellen zur Beheizung beitragen. Es wird daher eine Parallelverschiebung der Heizkurve  nach unten vorgenommen. Bei der unteren roten Heizkurve (siehe Grafik unten) würde sich die Heizung dann erst bei einer Außentemperatur von 17°C oder weniger einschalten. Stichwort → Nachtabsenkung

Die blauen Heizkurven haben Steilheiten im Bereich von 0,5 bis 3. Ihr Fußpunkt liegt ebenso wie bei der mittleren roten Heizkurve im Kreuzungspunkt der x- und y-Achse bei 20°C Außentemperatur und 20°C Vorlauftemperatur / © Wikipedia

Die Herausforderung beim Einstellen der Heizkurve liegt darin, dass nicht genau berechnet werden kann, wie sich Haus und Heizung bei einer Veränderung der Vorlauftemperatur verhalten. Gebäudeenergieberater  oder TGA (Techn. Gebäude­ausrüstung) – Fachplaner  verfügen zwar über Möglichkeiten zur präzisen Berechnung des Heizwärmebedarfs oder der Heizlast, können die Heizkurve selbst aber immer nur grob abschätzen.

Das Einstellen der Heizkurve ist daher eine Maßnahme, die rund eine Heizsaison in Anspruch nimmt und zeitaufwendig ist. Doch durch die optimale Einstellung der Vorlauftemperatur im Heizsystem erreichst Du eine spürbare Reduzierung der Energiekosten.

Zum Thema “Heizkurve richtig einstellen” gibt´s ein einfach verständliches Tutorial auf YouTube:

4. Dämmen der Heizungsrohre

Während der Heizperiode ist Deine Heizungsanlage ständig im Einsatz. Und durch die Heizungsrohre fließt ständig Heizwasser. Die Leitungen, die ungedämmt durch unbeheizte Räume oder Keller verlegt wurden, verlieren jetzt viel Heizenergie! Das Dämmen der Heizungsrohre kann diesen Verlust deutlich reduzieren und so Heizkosten sparen. Das Schöne daran: Die Maßnahme ist günstig und kann oft selbst erledigt werden.

Heizungsrohre können ganz einfach gedämmt werden / © Andy C.

Je nach gewähltem Material* kostet ein Meter Rohrisolierung für ein durchschnittliches Heizungsrohr mit 18 bis 22 Millimetern Durchmesser zwischen 2,- und 9,- €.

* Zu empfehlen sind Rohrisolierungen aus Kunstkautschuk. Sie sind biegsam, belastbar und hitzebeständig. Preis: zwischen 3,- und 5,- €/m – kleiner Nachteil: etwas teurer als die günstigsten Polyurethan (PUR) – Standarddämmschläuche (2,- bis 4,- €) – sie sind jedoch nur bis ca. 70°C hitzebeständig.

Dort wo es nicht so sehr auf die Optik ankommt, und hohe Vorlauftemperaturen herrschen, empfiehlt sich Mineralwolle zur Dämmung. Der Vorteil: nicht brennbar, hochtemperaturbeständig bis 250 Grad. Deshalb wird es auch bei Solarthermie-Leitungen verwendet und in Mehrfamilienhäusern bei der Durchquerung von mehreren Brandabschnitten gebraucht. Diese Art der Rohrisolierung ist mit einem Preis zwischen 5,- und 9,- €/m die kostspieligste.

5. Austausch der Heizungspumpe

Die Heizungspumpe sorgt dafür, dass die Wärme in Deiner Heizungsanlage zu allen Heizflächen transportiert wird. Während die Pumpe dabei pro Heizperiode regelmäßig auf etwa 4.000 Betriebsstunden kommt, steigen dann die Kosten vor allem bei einer alten, nicht automatisch geregelten Pumpe. Eine moderne Hocheffizienzpumpe kann Deine Heizleistung hingegen optimal an dem Bedarf im Haus anpassen und transportiert dabei immer nur so viel Wasser, wie es wirklich nötig ist. In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus rechnet sich der Austausch schon nach etwa drei Jahren. Kosten ca. 400,- €

Beispiel einer Hocheffizienzpumpe / © Grundfos

6. Absenkung der Raumtemperatur

Du kannst während der Nacht die Heizleistung drosseln. Wenn die Vorlauftemperatur nur minimal gesenkt wird, ist bereits ein Einsparerfolg spürbar. Ratsam ist die Anschaffung einer elektrischen Schaltuhr, über die Temperatur heruntergeregelt werden kann oder sogar ganz ausgeschaltet wird.

Die Temperatur nachts von 20 auf 17 Grad zu reduzieren, spart bei Altbauten etwa fünf bis zehn Prozent an Heizkosten ein. Da benötigtst Du täglich so einen ganzen Kubikmeter Erdgas weniger. Die gesamte Ersparnis beläuft sich bei 220 Heiztagen also auf 220 Kubikmeter. Die Temperatur noch weiter abzusenken ist jedoch nicht ratsam: Temperaturen unter 16°C begünstigen die Schimmelgefahr!

Kleiner Tipp zum Abschluss: Wenn Du jetzt nicht gerade der Eigentümer sondern der Mieter der Wohnung/des Gebäudes sein solltest, sprich mal mit Deinem Vermieter über diese Maßnahmen. Den sie bringen auch ihn weiter: Diese Verbesserungen bilden sich positiv ab bei einem Verbrauchsausweis, der bei einer Neuvermietung oder einem Verkauf Pflicht ist.

Glossar

(1) witterungsgeführte Heizung  = passt die Vorlauftemperatur der Heizung automatisch an die jeweilige Außentemperatur an.

(2) Heizkurve (Heizkennlinie)  = Die mathematische Funktion einer Heizkurve beschreibt den Zusammenhang zwischen der Außentemperatur und der Vorlauftemperatur des Heizkreises. Die “Steilheit” stellt den Energieaufwand dar.

Quellen

heizung.de/wissen/tipps

dein-heizungsbauer.de/ratgeber/energie-sparen