So gelingt der Aufstieg ohne Berufsabschluss

TQ: Karriere in der Logistik
txn. Wer im Arbeitsleben Fuß fassen möchte, steht mitunter vor einer unsichtbaren Wand, denn ohne formales Zeugnis enden viele Bemühungen in reinen Helfertätigkeiten. Besonders in der Lagerlogistik ist das spürbar, obwohl dort bundesweit qualifiziertes Personal gesucht wird. Fehlen Fachkräfte, geraten Lieferketten ins Stocken und Betriebe müssen ihre Produktion drosseln – ein Problem, das strukturschwache Regionen besonders hart trifft. Doch wie gelingt der berufliche Aufstieg, wenn eine klassische Ausbildung nicht infrage kommt?
Oft scheitern Bewerber an bürokratischen Hürden: Nachweise fehlen oder ausländische Qualifikationen werden in Deutschland nicht anerkannt. Hinzu kommen manchmal sprachliche Barrieren. Was viele nicht wissen: Für diese Situationen gibt es eine flexible Lösung: die sogenannte Teilqualifizierung. Dieses Modell ermöglicht es Erwachsenen, fehlende Fachkenntnisse in überschaubaren Etappen nachzuholen. Begleitende Sprachkurse helfen, wichtige Fachbegriffe sicher zu beherrschen. Gerade deshalb setzen immer mehr Unternehmen auf alternative Qualifizierungswege.
„Für viele Unternehmen zählt heute weniger der perfekte Lebenslauf als die Bereitschaft zu lernen“, erklärt Dr. Timm Mittelsten Scheid, Vorstandsvorsitzender des Made by Vielfalt e.V. „Wer Einsatzbereitschaft zeigt, bekommt eine echte Chance. Das gilt ausdrücklich auch für zugewanderte Menschen. Eine offene Unternehmenskultur ist unverzichtbar, um die Versorgungssicherheit und den wirtschaftlichen Erfolg in Deutschland langfristig zu garantieren.“
Der Weg nach oben wird in gut machbare Bausteine unterteilt. Die Teilnehmenden lernen zunächst, wie sie Güter richtig annehmen und fachgerecht lagern. In einem späteren Schritt folgen die Kommissionierung und der sichere Versand. Jeder erfolgreich absolvierte Abschnitt wird separat bescheinigt. Am Ende wird dann für den staatlich anerkannten Abschluss eine Externenprüfung abgelegt.
Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hatten im Jahr 2024 rund 2,67 Millionen junge Erwachsene in Deutschland keine formale Berufsausbildung. Für viele von ihnen bietet die Logistikbranche eine konkrete Perspektive: Betriebe suchen engagierte Menschen, erkennen ausländische Berufserfahrung an und unterstützen gezielt bei der Nachqualifizierung. Wer Einsatzbereitschaft mitbringt, findet hier einen Einstieg – unabhängig von Herkunft oder Lebenslauf.
Teilqualifizierungen richten sich gezielt an Erwachsene über 25 Jahre. Interessierte Arbeitsuchende können sich bei der Arbeitsagentur. Dort wird individuell geklärt, welche Vorkenntnisse anrechenbar sind. Zudem informieren die Berater über finanzielle Fördermöglichkeiten für den Weg zur vollwertigen Fachkraft.

Quelle: TXN | txn. In der Lagerlogistik kommt es auf Sorgfalt und einen guten Überblick an. Teilqualifizierungen ermöglichen Erwachsenen, die einzelnen Aufgaben schrittweise zu erlernen und später einen anerkannten Berufsabschluss nachzuholen. | txn-Foto: Drazen/AdobeStock/Made by Vielfalt e.V.

Datum: 13. September 2026|Thema: Bildung und Beruf, Facebook, Top Aktuell|

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