Pirmasens: 10 spannende Fakten zur Geschichte der Schuhstadt

Warum heißt Pirmasens eigentlich Pirmasens? Was verbirgt sich hinter dem „Pirmasenser Ei“? Und wie wurde aus einer Soldatenstadt eine Hochburg der Schuhindustrie? Die Geschichte von Pirmasens steckt voller überraschender Verbindungen. Manche begegnen uns in Straßennamen, andere in alten Fabrikgebäuden oder an Orten, die heute zum Entdecken und Verweilen einladen.

Diese zehn Stationen führen vom Namensgeber Pirminius über die Residenzzeit und die berühmten „Schlabbe“ bis zum Dynamikum und zum Strecktalpark. Wer „Bärmesens“ schon kennt, kann seine Heimat dabei neu kennenlernen. Und wer zum ersten Mal kommt, erfährt, wie eng die heutigen Sehenswürdigkeiten mit der Vergangenheit der Stadt verbunden sind.

Autoreninformation zu Victoria Altmeyer, Westpfalz-Redaktionsteam

ZRW-Autorin: Victoria Altmeyer
Westpfalz-Redaktionsteam
Zehn historische Fakten über Pirmasens

1. Pirminius – wie Pirmasens zu seinem Namen kam

Blick auf die Klosteranlage in Hornbach

Das Kloster Hornbach verbindet die Region mit dem heiligen Pirminius. Foto: Anna Wojtas

Die früheste urkundliche Erwähnung von Pirmasens wird auf die Zeit um 850 datiert. Damals tauchen Namensformen wie „Pirminishusna“ oder „Pirminiseusna“ auf. Als wahrscheinlicher Namensgeber gilt der Wanderprediger Pirminius, der im 8. Jahrhundert wirkte und um 740 das Kloster Hornbach gründete.

Eine Deutung versteht den frühen Ortsnamen als einzelnes Gehöft des Pirminius. Ganz eindeutig ist seine Herkunft allerdings nicht: Daneben gibt es die Theorie, dass der Name auf Bermann beziehungsweise Ebermann zurückgeht und damit älter als die Verbindung zum Heiligen ist.

Die heute gebräuchliche Bezeichnung „Pirmasens“ lässt sich bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen. Hinter dem vertrauten Stadtnamen steckt also eine Geschichte, die weit vor der späteren Residenz- und Schuhstadt beginnt.

2. Das „Pirmasenser Ei“ – eine Mauer für die Soldatenstadt

Historischer Stadtplan von Pirmasens aus dem Jahr 1788 mit ovalem Stadtgrundriss

Der Stadtplan von Johann Heinrich Haas aus dem Jahr 1788 zeigt den ovalen Grundriss. Quelle: TU Darmstadt, CC0

Eine Stadtmauer schützt ihre Bewohner vor Angreifern – normalerweise. In Pirmasens erfüllte sie noch einen anderen Zweck: Sie sollte verhindern, dass zwangsrekrutierte Soldaten desertierten. Wegen ihres ovalen Verlaufs erhielt sie im Volksmund den Namen „Pirmasenser Ei“. Teile dieser Form lassen sich bis heute im Straßennetz erkennen.

Mit der Stadterhebung 1763 wurde der frühere Palisadenzaun durch eine Mauer ersetzt. Unter Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt entwickelte sich Pirmasens zur Garnisons- und Residenzstadt. Mehr als zwei Drittel der Einwohner gehörten dem Militärstand an.

Der Landgraf erlaubte seinen Soldaten zu heiraten und neben dem Dienst ein Handwerk auszuüben. Wer sich mit seiner Familie niederlassen wollte, konnte zudem kostenlos einen Bauplatz erhalten. Den damals verbreiteten Soldatenhandel lehnte Ludwig ab. Die Stadt wuchs und lebte in hohem Maße von ihrer Garnison.

Als Ludwig IX. 1790 starb, änderte sich die Lage grundlegend. Sein Nachfolger verringerte die Truppenstärke erheblich. Mit den Soldaten verschwanden Einkommen und Kundschaft; die Einwohnerzahl sank beinahe auf die Hälfte.

3. Die Hackmesserseite – Spuren der Französischen Revolution

Schwarze Illustration einer Guillotine als Symbol für den Namen Hackmesserseite

Eine Guillotine wurde im Volksmund auch „Hackmesser“ genannt. Illustration: Free-Photos, Pixabay

Südwestlich von Pirmasens liegt entlang der französischen Grenze die sogenannte Hackmesserseite. Das Gebiet reicht von Kröppen bis Eppenbrunn. Sein ungewöhnlicher Name führt zurück in die Zeit der Französischen Revolution.

In den 1790er Jahren widersetzten sich grenznahe Dörfer der Südwestpfalz der bisherigen Herrschaft und der Zahlung der Salzsteuer. Die als „Freie Franken“ bezeichneten Aufständischen strebten die Aufnahme in die Französische Republik an. 1793 wurden die betreffenden Gemeinden französisches Staatsgebiet.

Mit dem Namen der Gegend verbindet sich die Überlieferung von einer Guillotine, die Revolutionsanhänger aus Bitsch, dem heutigen Bitche, mitbrachten. Im Volksmund hieß dieses Hinrichtungsinstrument „Hackmesser“. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung für die Region.

Der Pirmasenser Stadtrat stand einem Anschluss zunächst ablehnend gegenüber; die Verbundenheit mit dem verstorbenen Landgrafen war noch groß. Mit dem Frieden von Lunéville 1801 wurde die Zugehörigkeit der linksrheinischen Gebiete zu Frankreich bestätigt. Die französisch geprägte Epoche hinterließ auch in Pirmasens ihre Spuren.

4. Exerzierhalle und Exerzierplatz – vom Militär zum Stadtleben

Beleuchteter Exerzierplatz mit dem Neuen Rathaus in Pirmasens bei Nacht

Der Exerzierplatz mit dem Neuen Rathaus erinnert an die Garnisonszeit. Foto: Harald Kröher

Wie wichtig das Militär für Pirmasens war, zeigte die 1770 errichtete Exerzierhalle. Das gewaltige Gebäude bot Platz für Übungen unter einem Dach und gehörte zu den großen Anlagen seiner Zeit. Auch in Darmstadt ließ Ludwig IX. eine große Exerzierhalle bauen.

Während der Franzosenzeit überließ Napoleon die Pirmasenser Halle der katholischen Gemeinde. Nach ihrem Abriss entstand aus dem Baumaterial eine Kirche. Als diese später zu klein wurde, nutzte die Gemeinde vorübergehend eine hölzerne Notkirche. Die eigentliche Pirminiuskirche wurde von 1897 bis 1900 errichtet. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs folgte der Wiederaufbau in den 1950er Jahren.

Der Exerzierplatz blieb erhalten, auch wenn er heute nur noch ungefähr ein Drittel seiner ursprünglichen Fläche umfasst. In den 1990er Jahren wurde der zwischenzeitlich als Parkplatz genutzte Platz neu gestaltet. Unter ihm entstand eine Tiefgarage; darüber finden Wochenmärkte, Feste und weitere Veranstaltungen statt.

Auch das Neue Rathaus hat eine andere Vergangenheit, als sein heutiger Name vermuten lässt. Es wurde 1879 als Exerzierplatzschule errichtet und beherbergte später unter anderem ein altsprachliches Gymnasium. Seit 1945 dient das Gebäude als Rathaus.

5. Die „Schlabbe“ – wie aus einer Notlösung ein Gewerbe wurde

Illustration eines Paars geschnürter Schuhe

„Schlabbe“ gehören untrennbar zur Geschichte der Schuhstadt. Illustration: Free-Photos, Pixabay

Schuhe wurden in Pirmasens schon zu Zeiten des Landgrafen gebraucht: Die Soldaten benötigten regelmäßig neue Stiefel. Nach dem Niedergang der Garnison gewann das Handwerk eine noch größere Bedeutung. Viele Menschen mussten sich eine neue Lebensgrundlage schaffen.

Im 19. Jahrhundert entstanden aus Leder, Filz und Resten von Uniformen einfache Schuhe – die „Schlabbe“. Gefertigt wurde häufig zu Hause. Aus dieser zunächst bescheidenen Produktion entwickelte sich nach und nach ein wichtiger Wirtschaftszweig. Verbesserte Verkehrswege und der Ausbau der Infrastruktur erleichterten später den Handel und das Wachstum der Betriebe.

Mit den Anfängen des überregionalen Schuhhandels ist der Grenadier Jean Joss verbunden. Er hatte das Schuhmacherhandwerk in Paris gelernt und nach Pirmasens gebracht. Nach dem Tod Ludwigs IX. verkaufte seine Frau die Schuhe auf Reisen auch außerhalb der Stadt. Das Beispiel der Familie zeigte anderen Handwerkern, dass sich für Pirmasenser Schuhe neue Absatzmärkte erschließen ließen.

6. Die Moosalbtalbahn – ein Bahnanschluss mit Hindernissen

Historisches Bahnhofsgebäude in Schopp mit Gleisen im Vordergrund

Der Bahnhof Schopp liegt an der Verbindung zwischen Kaiserslautern und Pirmasens Nord. Foto: Benjamin Hörle

Bis Pirmasens auf der Schiene mit Kaiserslautern verbunden war, brauchte es zahlreiche Planungen und Verhandlungen. Die 1913 fertiggestellte Moosalbtalbahn schloss eine wichtige Lücke. Der Weg zu diesem Anschluss verlief jedoch alles andere als geradlinig.

Zunächst stand zur Diskussion, Pirmasens an die Queichtalbahn anzubinden und einen Durchgangsbahnhof zu schaffen. Über dessen Lage ließ sich keine Einigung erzielen. Die Hauptstrecke führte deshalb an der Stadt vorbei. Pirmasens erhielt stattdessen eine Stichstrecke von der Biebermühle, dem heutigen Bahnhof Pirmasens Nord, hinauf in die Stadt.

Diese Biebermühlstrecke führte durch den alten Fehrbacher Tunnel. Wegen der ungünstigen Steigungsverhältnisse wurde vor dem Zweiten Weltkrieg eine zweite Trasse mit gleichmäßigerer Steigung angelegt. Zeitweise waren beide Strecken in Betrieb; die ältere und steilere Trasse wurde später stillgelegt. Überlegungen zu ihrer erneuten Nutzung und zu einer Weiterführung bei der Alten Post wurden nicht umgesetzt.

Für die Verbindung nach Norden ging zunächst 1904 der Abschnitt zwischen Biebermühle und Waldfischbach in Betrieb. 1913 folgte die Fortsetzung nach Kaiserslautern. So entstand schließlich die Verbindung durch die waldreiche Landschaft, zu deren Stationen auch Schopp gehört.

7. Deutsche Schuhmetropole – Aufschwung, Krisen und Wandel

Luftaufnahme des Gebäudekomplexes der ehemaligen Schuhfabrik Kopp in Pirmasens

Die ehemalige Schuhfabrik Kopp ist ein Zeugnis der Pirmasenser Industriegeschichte. Foto: Harald Kröher

Aus dem Handwerk wurde eine Industrie, die das Gesicht der Stadt prägte. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs gab es in Pirmasens 240 Schuhfabriken mit rund 14.000 Beschäftigten. Die Stadt hatte sich zu einem bedeutenden Zentrum der deutschen Schuhproduktion entwickelt.

Die Kriege brachten schwere Einschnitte. Im Ersten Weltkrieg wurde Pirmasens erneut Garnisonsstadt. Nach Kriegsende belasteten die französische Besatzung und der Verlust wichtiger Absatzmöglichkeiten in Elsass-Lothringen die Wirtschaft. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der Innenstadt und zahlreiche Betriebe zerstört.

Mit dem Wiederaufbau kehrten Produktion, Arbeitsplätze und Einkommen zurück. Bis in die 1960er Jahre erlebte die Schuhindustrie nochmals eine erfolgreiche Phase. Danach gerieten die Betriebe zunehmend unter Druck: Die Fertigung wurde in Länder mit niedrigeren Produktionskosten verlagert, und viele Unternehmen in Pirmasens und den umliegenden Gemeinden mussten aufgeben.

Gleichzeitig entstanden aus dem Umfeld der Schuhherstellung weitere Wirtschaftszweige. Der Einsatz von Kunststoffen als Material förderte die Entwicklung kunststoffverarbeitender Betriebe. Einige dieser Unternehmen blieben der Region erhalten. Ehemalige Fabriken wie Kopp erinnern bis heute daran, wie stark die Schuhindustrie Pirmasens geprägt hat.

8. Das Dynamikum – neue Ideen in einer alten Schuhfabrik

Ehemalige Schuhfabrik Rheinberger in Pirmasens mit dem Eingang zum Dynamikum

Im ehemaligen Rheinberger-Komplex hat das Dynamikum eine neue Nutzung gefunden. Foto: Barbara Löwe

Ein besonders anschauliches Beispiel für den Wandel der Stadt ist das Dynamikum. Das Science-Center eröffnete 2008 im Gebäudekomplex der ehemaligen Schuhfabrik Rheinberger, die einst zu den großen Produktionsstätten der Branche gehörte.

Wo früher Schuhe hergestellt wurden, stehen heute naturwissenschaftliche und technische Phänomene im Mittelpunkt. Unter dem Leitmotiv „Bewegung“ können Besucher selbst ausprobieren, beobachten und Zusammenhänge entdecken. Der Zugang führt über das eigene Experiment – und macht das Haus auch für Familien und Schulklassen interessant.

Wechselnde Sonderausstellungen ergänzen die Mitmachstationen. Einige Außenexponate befinden sich im benachbarten Strecktalpark. So reicht das Entdecken über das Fabrikgebäude hinaus bis ins Grüne.

9. Der Strecktalpark – Freizeit zwischen Stadt und Industriegeschichte

Luftaufnahme des Strecktalparks in Pirmasens mit der Streckbrücke

Der Strecktalpark und die Streckbrücke aus der Vogelperspektive. Foto: Harald Kröher

Direkt neben dem Dynamikum bietet der knapp 15 Hektar große Strecktalpark Platz für Spaziergänge, Bewegung und Pausen im Grünen. Die Anlage entstand um die Jahrtausendwende auf dem sanierten Gelände einer ehemaligen Gerberei. Auch dieser Freizeitort ist damit eng mit der industriellen Vergangenheit der Stadt verbunden.

Wiesen laden zum Picknicken ein, während Spiel- und Sportbereiche unterschiedliche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung bieten. Ein Wasserspielplatz sorgt an warmen Tagen für Abwechslung. Auf der DiscGolf-Anlage mit 15 Bahnen geht es darum, eine Wurfscheibe mit möglichst wenigen Versuchen ins Ziel zu bringen.

Über dem Tal verläuft die 1928 errichtete Streckbrücke. Sie verbindet die Innenstadt mit den westlich gelegenen Stadtvierteln und zählt zu den markanten Wahrzeichen von Pirmasens. Vom Park aus lässt sich gut nachvollziehen, wie sich Landschaft, Verkehrswege und Stadtentwicklung hier miteinander verbinden.

10. Die Ruhbank – ein Stadtteil entscheidet über seine Zukunft

Steinerne Ruhbank mit überdachter Ablage im Pirmasenser Stadtteil Ruhbank

Eine Ruhbank bot Lastenträgern die Möglichkeit, ihre Last abzusetzen und sich auszuruhen. Foto: Rudolf Wild, Wikipedia, CC BY-SA 4.0

Der Name Ruhbank ist wörtlich zu verstehen. Am höchsten Punkt der Straße zwischen Pirmasens und Lemberg stand eine steinerne Bank, an der Lastenträger eine Pause einlegen und ihre Last absetzen konnten. Sie gab der späteren Siedlung ihren Namen.

Ursprünglich gehörte Ruhbank zu Lemberg. Weil die Einwohner für Verwaltungsangelegenheiten nicht immer dorthin fahren wollten, gründeten sie einen „Ausschuss für Selbstständigkeit“. Zunächst ging es um eine eigenständige Gemeinde, später stand der Anschluss an Pirmasens zur Diskussion.

Nach einer Bürgerabstimmung wurde Ruhbank 1956 Teil von Pirmasens. Ein weiterer bemerkenswerter Schritt folgte im Bildungsbereich: Die Grundschule Ruhbank-Erlenbrunn wurde in einem Modellversuch zur ersten Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz. Der Stadtteil hat damit sowohl in seiner kommunalen Entwicklung als auch in der Schulgeschichte einen besonderen Platz.

Noch mehr Westpfalz entdecken? Im WestpfalzWiki findet ihr weitere Hintergründe zu historischen Gebäuden, Orten und Geschichten aus der Region. Wer eigene Informationen ergänzen möchte, kann im Wiki mitarbeiten oder sich unter info@zukunftsregion-westpfalz.de an die ZukunftsRegion Westpfalz wenden.

Autorin und Ursprung: Victoria Altmeyer, Westpfalz-Redaktionsteam / ZukunftsRegion Westpfalz e. V. Inhaltliche Grundlage ist der ZRW-Beitrag „Was haben Schlabbe, Hackmesser und Ruhbank gemeinsam? – Zehn historische Fakten über Pirmasens (Teil 1)“ vom 20. Januar 2025. Für Pfalz Digital neu formuliert und redaktionell überprüft.

Ergänzende Quellen: Stadtgeschichte der Stadt Pirmasens, historischer Stadtrundgang, Parks im Stadtgebiet und die bei den Abschnitten verlinkten Hintergrundinformationen.

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