Otterberg bekommt Quellwasser – der Gelterswoog verliert Wasser: Warum geht dort, was hier seit Jahren unmöglich scheint?

Ein aktueller Bericht der Rheinpfalz über das Naturfreibad Otterberg macht nachdenklich. Rund 5.000 Quadratmeter Wasserfläche, gespeist mit Quellwasser, weitgehend ohne klassische Schwimmbadchemie. Das Wasser wird über Zu- und Ablauf ausgetauscht, das ökologische System übernimmt einen Teil der Reinigung. Gerade an heißen Sommertagen ist das Naturbad ein beliebtes Ziel.
Und dann schaut man wenige Kilometer weiter zum Gelterswoog. Dort ist Wasser seit Jahren ein Problem.
Ein See, der vom Regen abhängig ist

Pegelstab am Gelterswoog
Der Gelterswoog wird nicht von einem großen Fluss gespeist. Das Wasser kommt im Wesentlichen aus den Tälern westlich des Sees. Die Fließgewässer aus Kolben-, Erlen- und Walkmühltal laufen letztlich in Richtung Gelterswoog.
Das Problem ist bekannt: In heißen und trockenen Sommern gehen diese Zuflüsse drastisch zurück oder versiegen nahezu vollständig. Hinzu kommen hohe Verdunstungsverluste auf der großen Wasserfläche. Resultat ist permanent gefährdetes Wasser, dessen prekäre Lage bereits zu dramtischen Fischsterben führte. Auch aktuell ist der Wasserpegel wieder auf einem traurigen Tiefstand.
Die Landesregierung hat die Situation bereits 2023 detailliert beschrieben. Das oberirdische Einzugsgebiet umfasst rund 11 Quadratkilometer und ist zu mehr als 95 Prozent bewaldet. Gleichzeitig versickert im Buntsandsteinboden viel Niederschlag schnell. Was ökologisch durchaus erwünscht sein kann, kommt im Sommer eben nicht unbedingt als Wasser im Gelterswoog an.
Die Folge erleben Besucher seit Jahren: Der Wasserspiegel sinkt, Uferbereiche fallen trocken und der Gelterswoog entfernt sich immer wieder sichtbar von seinem normalen Wasserstand. Und genau hier beginnt die interessante Frage.
Denn zusätzliche Wasserversorgung gab es früher bereits
Der Gedanke, den Gelterswoog zusätzlich mit Wasser zu versorgen, ist keineswegs neu. Über viele Jahre wurde Grundwasser aus dem Tiefbrunnen Schäckersdell in den Gelterswoog geleitet. Diese zusätzliche Versorgung wurde später eingestellt. Seit 2015 besteht kein Wasserrecht mehr, Grundwasser zur Frischwasserzufuhr des Sees zu entnehmen. Die Begründung ist nachvollziehbar: Grundwasser ist eine wertvolle Ressource und dient in erster Linie der Trinkwasserversorgung.
Damit könnte die Geschichte eigentlich beendet sein, was sie aber nicht ist. Denn über die Jahre wurden immer wieder Möglichkeiten diskutiert, dem Gelterswoog zumindest in kritischen Trockenperioden zusätzlich Wasser zuzuführen.
Dazu gehörten der Tiefbrunnen Schäckersdell, eine mögliche Wasserzuführung aus dem Walzweiher und zeitweise sogar Überlegungen zu einem eigenen Brunnen.
Der Kaiserslauterer Stadtrat hatte sich ausdrücklich für den Erhalt des Gelterswoogs ausgesprochen – einschließlich einer künstlichen Befüllung, sofern diese möglich ist.
Was gilt denn nun beim Tiefbrunnen Schäckersdell?
Interessant wird es beim Blick in die veröffentlichten Unterlagen.
Im Sachstandsbericht zum Klimaanpassungskonzept der Stadt aus dem Jahr 2023 heißt es, eine Wiederinbetriebnahme des Tiefbrunnens Schäckersdell zur Wassereinspeisung in den Gelterswoog sei geprüft und ausgeschlossen worden.

Anschließend sollte untersucht werden, ob andere Wasserquellen infrage kommen – unter anderem der Walzweiher.
Auf der derzeit abrufbaren Internetseite der Stadt zum „Bewirtschaftungskonzept Gelterswoog“ findet sich dagegen weiterhin die Formulierung, im Rahmen des Grundwasserbewirtschaftungskonzeptes werde geprüft, ob eine Wasserzuleitung durch den Tiefbrunnen Schäckersdell möglich sei. Das muss kein Widerspruch in der Sache sein. Möglicherweise ist lediglich die Internetseite nicht auf dem neuesten Stand.
Aber genau solche Punkte zeigen das eigentliche Problem: Für die Öffentlichkeit ist kaum nachvollziehbar, was inzwischen tatsächlich geprüft, verworfen, genehmigt oder weiterverfolgt wurde.
Natürlich kann man Otterberg nicht eins zu eins mit dem Gelterswoog vergleichen
Das muss fairerweise gesagt werden. Das Naturfreibad Otterberg ist erheblich kleiner als der Gelterswoog. Sein Wassersystem wurde als Naturbad konzipiert und eine vorhandene Quellwasserversorgung gehört zum Betrieb.
Beim Gelterswoog sprechen wir dagegen von einem großen, geschützten Natur- und Badegewässer mit empfindlichen Feuchtgebieten und mehreren Zuflusstälern.
Einfach irgendwo Wasser abzuzweigen, damit der See voll bleibt, wäre daher keine vernünftige Lösung.
Auch die Landesregierung hat darauf hingewiesen, dass eine stärkere Ableitung aus den angrenzenden Tälern nicht zulasten geschützter Nasswiesen und anderer Ökosysteme erfolgen darf.
Und auch Grundwasser einfach hochzupumpen ist nicht unproblematisch. Dafür ist eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich. Zudem argumentiert das Land, dass kostbares Grundwasser nicht mit erheblichem Energieaufwand in einen großen See gepumpt werden sollte, wo ein Teil davon bei Sommerhitze anschließend wieder verdunstet.
Das sind gewichtige Argumente.
Aber „geht nicht“ ist auf Dauer ebenfalls keine Lösung
Trotzdem bleibt die Frage bestehen, denn der Gelterswoog verliert nicht erst seit gestern Wasser.
Die Problematik wird seit vielen Jahren diskutiert. Es gab Runde Tische, teuer bezahlte Gutachten, Vorstudien, politische Anträge, Gespräche mit Fachbehörden und verschiedene technische Vorschläge.

Kein Wasser- trockene Wurzeln
Und der Klimawandel wird das Problem nicht kleiner machen. Wenn trockene Winter, sinkende Quellschüttungen und heiße Sommer zur neuen Normalität werden, reicht es nicht mehr, jedes Jahr überrascht festzustellen, dass im Juli oder August zu wenig Wasser ankommt.
Dann braucht der Gelterswoog ein langfristiges Wassermanagement. Das bedeutet nicht zwangsläufig, zehntausende Kubikmeter Trinkwasser in einen Badesee zu pumpen.
Es bedeutet aber sehr wohl, sämtliche Möglichkeiten transparent und ergebnisoffen zu untersuchen: zusätzliche Wasserspeicherung in niederschlagsreichen Monaten, alternative Zuführungen, Nutzung geeigneter Oberflächengewässer, technische Optimierung der bestehenden Zuflüsse und – sofern hydrogeologisch und wasserrechtlich vertretbar – auch eine begrenzte Wassereinspeisung in extremen Trockenperioden.
Otterberg zeigt zumindest eines: Wasser kann aktiv bewirtschaftet werden
Das Naturfreibad Otterberg ist kein Beweis dafür, dass dieselbe Lösung am Gelterswoog funktionieren würde. Aber es zeigt etwas anderes: Ein natürliches Badegewässer muss nicht einfach seinem Schicksal überlassen werden.
Wenn der (politische) Wille ernsthaft dazu da ist, können Wasserzufuhr, Ökologie, Badebetrieb und Wasserqualität gemeinsam geplant und aktiv gesteuert werden.
Und genau deshalb ist die Frage berechtigt:
Wie sieht der konkrete Plan für den Gelterswoog aus?
Nicht der Plan von 2021 oder die Prüfung von 2022 oder auch die Studie von 2023. Hier ist alles schön schriftlich dukumentiert. Umgesetzt ist wenig.Es geht um einen tragfähigen Plan für die kommenden zehn oder zwanzig Jahre.
Denn nichts zu tun ist ebenfalls eine Entscheidung. Und wenn die Sommer trockener werden und der Pegel immer weiter sinkt, könnte diese Entscheidung irgendwann nicht mehr rückgängig zu machen sein.
Der Gelterswoog ist Strandbad, Naturraum, Lebensraum, Vereinsgewässer und eines der bekanntesten Naherholungsgebiete rund um Kaiserslautern mit einer touristischen Strahlkraft weit über die Region hinaus.
Es wäre deshalb an der Zeit, der Öffentlichkeit klar zu sagen, welche Lösungen heute noch realistisch sind, welche endgültig ausgeschlossen wurden – und was konkret als Nächstes passiert. Aussitzen ist zwar auch eine Entscheidung, aber keine Lösung
Hintergrund und Quellen
Grundlage dieses Beitrags sind unter anderem der aktuelle Bericht über das Naturfreibad Otterberg, Veröffentlichungen der Stadt Kaiserslautern zum Gelterswoog und zum Klimaanpassungskonzept sowie Antworten der rheinland-pfälzischen Landesregierung auf parlamentarische Anfragen zur Wasserzufuhr und Grundwasserbewirtschaftung rund um den Gelterswoog.
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