Stilles Gedenken: Stadtführung zum jüdischen Leben in Pirmasens

Die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Pirmasens steht im Mittelpunkt einer offenen Stadtführung an Samstag, 1. November 2025. Unter dem Titel „Erinnern und mahnen“ begleitet Michael Gaubatz die Teilnehmer auf einem Spaziergang durch die zentrale Innenstadt.
Den Ausgangspunkt des Rundgangs bildet die Esplanade des Bahnhofsvorplatzes. Dort war im September 2014 die zentrale Gedenkstätte eingeweiht worden, mit der an alle verfolgten, vertriebenen und ermordeten Pirmasenser Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird, darunter viele Menschen jüdischen Glaubens. Von dort aus begeben sich die Interessierten auf einen Sparziergang durch die Innenstadt. Bisher wurden fast 50 Tafeln an 33 Standorten realisiert, die sowohl auf Personen als auch Sachthemen Bezug nehmen, darunter die Deportation nach Gurs im Jahr 1940 oder die durch die Nationalsozialisten veranlasste Enteignung jüdischen Besitzes.
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde reicht bis in die Landgrafenzeit zurück. Viele Mitbürger jüdischen Glaubens haben unter anderem in Vereinen, als Geschäftsleute, in der Schuhindustrie, als Ärzte oder im Kulturleben die Historie der Siebenhügelstadt wesentlich geprägt. Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine große jüdische Gemeinde, deren Versammlungsort die Synagoge in Pirmasens war. Mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten und den von ihnen veranlassten Repressionen wurden viele Pirmasenser Juden vertrieben und mehr als 270 in Konzentrationslagern ermordet oder in den Tod getrieben.
Der städtische Gästeführer Michael Gaubatz gibt auf dem Rundgang einen Einblick in die Entstehung der jüdischen Gemeinde und den Repressionen der Nationalsozialisten, die zu Vertreibung und Enteignung führten. Neben der allgemeinen Thematik, wie der sogenannten Arisierung, stehen dabei auch die persönlichen Schicksale der Menschen jüdischen Glaubens im Vordergrund. Der Spaziergang zu Stätten des Nazi-Terrors und zu den Wohnorten der Verfolgten gibt Aufschluss über deren Schickale. Der Gedenkweg wird fortlaufenden erweitert. Mittlerweile gehören zehn Stationen dazu, die neuesten werden im Rahmen der Führung thematisiert.
Auf einen Blick: Die offene Stadtführung an Allerheiligen, Samstag, 1. November 2025, steht unter dem Titel „Erinnern und mahnen: Gedenkweg für die Opfer des Nationalsozialismus“. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr am Stelendenkmal in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Kosten für die Führung: Sieben Euro pro Person. Kinder bis 14 Jahre sind frei. Dauer: Etwa 90 Minuten.
Um Anmeldung beim Stadtarchiv unter der Telefonnummer 06331/842299 wird gebeten.
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