Windenergie in Bad Bergzabern: So soll mehr Geld in der Region bleiben

Kommunen wollen bei der Windenergie stärker profitieren
Windenergieanlagen sind für Kommunen nicht nur ein Thema des Klimaschutzes. Sie können auch erhebliche wirtschaftliche Chancen mit sich bringen. Entscheidend ist allerdings, wer über geeignete Flächen verfügt, wer die Projekte entwickelt und wo die späteren Einnahmen landen. Die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern versucht deshalb, beim Ausbau der Windenergie frühzeitig selbst Einfluss zu nehmen. Ein wichtiges Instrument ist das sogenannte Flächenpooling. Dabei schließen sich mehrere Grundstückseigentümer zusammen und lassen ihre Interessen gegenüber Projektentwicklern gemeinsam vertreten. Das verbessert die Verhandlungsposition und soll dafür sorgen, dass ein größerer Teil der Wertschöpfung in der Region bleibt.
Viele für Windenergie geeignete Flächen befinden sich in privatem Besitz. Häufig sichern sich Projektentwickler schon früh Nutzungsrechte an einzelnen Grundstücken. Für Kommunen wird es dadurch schwieriger, später noch Einfluss auf Konditionen und Projektgestaltung zu nehmen. In Bad Bergzabern wurden deshalb Grundstückseigentümer gezielt angesprochen. Nach Angaben der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz konnten inzwischen mehr als 80 Verhandlungsmandate gewonnen werden. Damit kann die Verbandsgemeinde gegenüber möglichen Projektentwicklern wesentlich geschlossener auftreten. Verbandsbürgermeisterin Kathrin Flory betont, dass die Energiewende aktiv gestaltet werden solle und ein fairer Anteil der daraus entstehenden Wertschöpfung in der Region bleiben müsse.
Eigene kommunale Struktur für Energieprojekte
Bad Bergzabern geht noch einen Schritt weiter. Bereits 2025 wurde die Kommunale Energie Bad Bergzaberner Land AöR, kurz KEBBL, gegründet. An ihr beteiligen sich 13 der insgesamt 21 Ortsgemeinden. Geschäftsführender Vorstand ist Martin Engelhard. Die KEBBL soll künftig Projekte rund um Windenergie und Photovoltaik koordinieren und die Interessen der beteiligten Kommunen bündeln. Damit schaffen sich die Gemeinden eine eigene Struktur, über die sie bei zukünftigen Energieprojekten als gemeinsamer und handlungsfähiger Partner auftreten können.
Auch die Bürger sollen eingebunden werden. Neben Grundstückseigentümern und Kommunen ist die Bürger-Energiegenossenschaft Südpfalz in den Prozess einbezogen. Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz unterstützt bei Beteiligungsformaten und bei der Einbindung weiterer regionaler Akteure. Der Ansatz dahinter: Wenn Menschen nachvollziehen können, wie ein Projekt entsteht, sich selbst beteiligen können und wirtschaftliche Vorteile in der Region bleiben, kann dies auch die Akzeptanz von Windenergieprojekten verbessern.
Bis zu sieben Windenergieanlagen möglich
Auf den gepoolten Flächen könnten nach derzeitigen Planungen fünf bis sieben Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 31 bis 43,4 Megawatt entstehen. Nach Angaben der Energie- und Klimaschutzagentur würde die erzeugte Strommenge rechnerisch ausreichen, um jährlich rund 17.500 bis 24.500 Haushalte zu versorgen. Wirtschaftlich besonders interessant ist die Möglichkeit, dass sich die kommunale AöR mit bis zu zehn Prozent an dem Projekt beteiligen kann. Dadurch könnten neben weiteren Einnahmen rund um die Windenergienutzung auch direkte Erlöse aus der Energieerzeugung entstehen.
Dieses Geld könnte den beteiligten Städten und Gemeinden zusätzliche finanzielle Spielräume eröffnen – beispielsweise für Schulen und Kindertagesstätten, die Modernisierung der Infrastruktur, öffentliche Einrichtungen oder weitere kommunale Angebote. Der entscheidende Unterschied zum klassischen Modell: Die Kommunen beschränken sich nicht darauf, Windenergieanlagen auf ihrem Gebiet zu akzeptieren, sondern versuchen selbst wirtschaftlich von der Entwicklung zu profitieren.
Ein Modell auch für andere Kommunen?
Das Beispiel Bad Bergzabern dürfte deshalb auch für andere Gemeinden in Rheinland-Pfalz interessant sein. Statt erst zu reagieren, wenn Projektentwickler bereits große Teile geeigneter Flächen gesichert haben, versucht die Verbandsgemeinde frühzeitig, Eigentümer und Kommunen zusammenzubringen. Flächenpooling, eine gemeinsame kommunale Organisation und Bürgerbeteiligung werden dabei miteinander kombiniert.
Ob und in welcher Form die geplanten Windenergieanlagen tatsächlich entstehen, wird die weitere Projektentwicklung zeigen. Der Ansatz macht jedoch deutlich, dass Kommunen beim Ausbau erneuerbarer Energien nicht zwangsläufig nur Zuschauer sein müssen. Sie können Projekte aktiv mitgestalten und versuchen, einen größeren Teil der wirtschaftlichen Vorteile dauerhaft in der eigenen Region zu halten.
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