Pirmasens – Sanierung startet: Fröbeltreppe soll in neuem Glanz erstrahlen

Pirmasens nennt sich nicht umsonst die Siebenhügelstadt. Wie das alte Rom auf sieben Hügeln erbaut, ist das Stadtbild geprägt von zahlreichen Treppen, deren Steigungen und Stufen nicht nur die Besucher, sondern auch manchen Einheimischen aus der Puste bringen.
Nach Abschluss der aufwändigen Generalsanierung der Landgraf-Ludwig-Realschule wird im nächsten Schritt die an das Kulturdenkmal angrenzende Fröbeltreppe instandgesetzt. Das Bauwerk aus dem Jahr 1910 verbindet die Alleestraße über die Fröbelgasse mit der Fußgängerzone. Die markante Anlage mit 54 Stufen überbrückt auf einer Länge von mehr als 24 Metern einen Höhenunterschied von knapp 9,5 Metern. Künftig soll sich die Treppe wieder – ganz nach dem historischen Vorbild – als optische Einheit mit der 1907 eingeweihten „höheren Mädchenschule“ präsentieren. Dank einer 90-prozentigen Förderung durch Bund und Land kann Pirmasens an dieser Stelle in die Aufwertung der zentralen Innenstadt investieren.
Die Planungen liegen in Händen des Pirmasenser Ingenieurbüros Thiele. Für die bauliche Realisierung zeichnet die Firma E. Köhler-Schmitt GmbH (Waldrohrbach) verantwortlich. Während der städtische Abwasserbeseitigungsbetrieb den maroden Kanal bereits modernisiert und fit für die Zukunft gemacht hat, stehen in den kommenden Monaten die eigentlichen Bauarbeiten im Vordergrund. Zunächst werden die behauenen roten Sandsteinquader samt Abdeckungen und Granit-Treppenstufen nummeriert, behutsam ausgebaut, bei Bedarf fachgerecht restauriert und vorübergehend eingelagert. Die Unterkonstruktion der sogenannten Wangen (das Bauteil trägt seitlich die Stufen) sowie die Fundamente werden vollständig abgebrochen und neu hergestellt. Parallel dazu verlegen die Stadtwerke im Untergrund ein neues Stromkabel. Erneuert werden sollen auch die Handläufe samt Beleuchtung. Dazu sind vier energiesparende LED-Leuchten vorgesehen. Das Tiefbauamt, bei dem die Fäden des Projektes zusammenlaufen, rechnet mit einem Fertigstellungstermin bis spätestens Ende September 2026.
Im Vorgriff auf die Sanierung waren umfangreiche Ordnungsmaßnahmen notwendig, um die Fröbeltreppe freistellen zu können. An die seitliche Wage sind zunächst 1961 sieben Autogaragen angebaut worden. 1965 folgte die Erweiterung um ein Lederlager mit Büro. Die Immobilie wurde in den Jahren 1979/80 von der Stadt Pirmasens gekauft. Bis zu seiner Auflösung hatte u.a. der Billard-Club Pirmasens die Räume als Vereinsheim genutzt. Seither stand das Gebäude leer. Wasser war in das Innere eingedrungen, die Bausubstanz war völlig marode, eine Sanierung unwirtschaftlich. Zwischen Oktober und Dezember 2024 wurde der Flachbau durch die Firma Hartsteinwerke Gihl GmbH (Eppelborn) niedergelegt. Im Anschluss wurde die Baugrube verfüllt. Im Zuge des Treppenbaus werden zwei Stützmauern zur Hangsicherung errichtet. Auf der dann entstandenen Freifläche soll in naher Zukunft eine kommunale Grünanlage entstehen, auf der Staudenpflanzen und Obstbäume gepflanzt werden. Perspektivisch soll zum Abschluss der Maßnahme die angrenzende Fröbelgasse eine neue Straßendecke erhalten und im unteren Bereich der Grünanlage sollen Parkplätzen entstehen.
Stichwort: Die Fröbelgasse wurde einst aus dem Felsen herausgehauen. Die Stichstraße von der Hauptstraße schafft für Fußgänger über die Fröbeltreppe eine Verbindung in die Alleestraße. Die Besonderheit der Treppe: Sie führt durch das Gebäude der heutigen Landgraf-Ludwig-Realschule hindurch. Benannt sind Straße und Treppe nach dem Pädagogen und Erzieher Friedrich Fröbel (1782 – 1852), einem Schüler und Freund Johann Heinrich Pestalozzis. 1895 befand sich in der Hauptstraße 58 der Fröbelsche Kindergarten, bereits vor 1906 stand in der Fröbelgasse 4 das Haus der Stadtmission.
Die Kosten im Überblick:
Sanierung Treppenanlage: 640 000 Euro
Freiflächengestaltung (inkl. Abriss Billard-Club)
und Geländemodellierung: 365 000 Euro
Kanalsanierung: 67 000 Euro
Versorgungsleitungen (Stadtwerke): 35 000 Euro
BU: Bilden eine Einheit: Fröbeltreppe und das um 1905 errichtete „Höhere Mädchenschule“. Heute ist in dem charakteristischen Sandsteinbau die Landgraf-Ludwig-Realschule untergebracht. (Foto: Sammlung Stadtarchiv)
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