Innovative Wärmeversorgung für Trier-Gartenfeld

Deutschland steht aktuell vor großen Herausforderungen in der Wärmeversorgung. Steigende Anforderungen an Klimaschutz und Energieeffizienz, begrenzte fossile Ressourcen sowie der notwendige Ausbau erneuerbarer Energien verlangen nach innovativen, verlässlichen und flexiblen Lösungen. Kalte Nahwärmenetze auf Basis oberflächennaher Geothermie gelten dabei als besonders zukunftsfähig, da sie emissionsarm, flexibel erweiterbar und sehr effizient sind.
Im Trierer Stadtteil Gartenfeld entsteht derzeit ein zukunftsweisendes Pilotprojekt für eine nachhaltige Wärmeversorgung: Eine kalte Nahwärme-Insellösung, die sowohl Neubauten als auch Bestandsgebäude klima- und ressourcenschonend mit Wärme versorgen soll.
Versorgung von Neubauten und Sozial-Einrichtung
In Gartenfeld werden zunächst zwei neu zu errichtende Gebäudekomplexe sowie zwei Bestandsgebäude mit mehreren Wohneinheiten an das neue kalte Nahwärmenetz angeschlossen. Einer der Neubauten wird für soziale Zwecke genutzt und stärkt damit die soziale Infrastruktur im Quartier.
Bauherr ist die Krankenpflege-Genossenschaft der Schwestern vom Heiligen Geist GmbH Koblenz Marienhof. Bei diesem Projekt werden konsequent regionale Fachakteure eingebunden: Die Planung erfolgt durch das Ingenieurbüro Josef Schleimer GmbH, das Architekturbüro Hardt und Partner sowie die Firma Ehlen in der Eifel. Damit verbleiben Know-how, Auftragsvolumen und Wertschöpfung gezielt in der Region.
„Wir nutzen hier eine Energiequelle, die direkt unter unseren Füßen liegt und das ganze Jahr über verfügbar ist. Oberflächennahe Geothermie ermöglicht nicht nur klimafreundliches Heizen im Winter, sondern auch effizientes Kühlen im Sommer – und wird damit in Zeiten steigender Temperaturen immer wichtiger. So schaffen wir eine nachhaltige, standortgebundene Wärmeversorgung mit langfristiger Perspektive“, erklärt Markus Schleimer, Geschäftsführer der Josef Schleimer GmbH.
Kalte Nahwärme
Das kalte Nahwärmenetz soll zukünftig über Erdsonden die Umweltenergie aus der Tiefe (rund 10 Grad Celsius warmes Wasser) nutzen. Diese Energie wird an die Sole/Wasser-Wärmepumpen der Gebäude geleitet, die sie auf ein nutzbares Niveau anheben. Ein Vorteil liegt darin, dass das Netz der kalten Nahwärme nicht nur Wärme liefert, sondern in den Sommermonaten auch zur Kühlung genutzt werden kann. Die sommerliche Wärme wird dann in das Erdreich geleitet und dort gespeichert.
Auf erfolgreiche Probebohrungfolgen vier Tiefenbohrungen
Eine bereits durchgeführte Probebohrung bestätigte die sehr guten geologischen Voraussetzungen für das Vorhaben. „Die Ergebnisse zeigen eine sehr hohe spezifische Entzugsleistung bei 240 Metern Bohrtiefe. Dadurch sind insgesamt nur vier Tiefenbohrungen nötig, um den Wärmebedarf zuverlässig abzudecken. Das reduziert nicht nur den Flächenbedarf, sondern wirkt sich auch positiv auf die Investitionskosten aus. So kann das System technisch effizient und wirtschaftlich optimiert realisiert werden“, erklärt Paul Ngahan von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz.
Ein Modellprojekt mit Signalwirkung
Mit dem Start der Bohrarbeiten nimmt das Projekt nun einen entscheidenden Schritt in Richtung Umsetzung. Der Trierer Ortsteil Gartenfeld könnte damit zu einem Vorzeigequartier für innovative und klimafreundliche Wärmeversorgung in Rheinland-Pfalz werden. Denn das Vorhaben zeigt beispielhaft, wie kalte Nahwärme als nachhaltige, erweiterbare und wirtschaftliche Lösung einen wichtigen Beitrag zur lokalen Wärmewende leisten kann.
Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
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