Weiterbildung zahlt sich in jeder beruflichen Phase aus

txn. Eine Mitarbeiterin Anfang 20 sitzt in der ersten Woche ihrer Ausbildung am Schreibtisch und freut sich, dass die Buchhaltungssoftware halb autonom arbeitet. Ein Vertriebsleiter in seinen Vierzigern bekommt von einem neuen Tochterunternehmen Berichte auf Spanisch übermittelt und greift zu einem Übersetzungswerkzeug, das er vor einem Jahr noch belächelt hat. Eine Floristin um die 60 arbeitet seit kurzem mit einem digitalen Auftragssystem, das der jüngere Kollege ihr erklärt hat. Drei Berufsphasen, drei Alltage, ein gemeinsamer Nenner: Lernen gehört heute in jeder Phase dazu.
Neue Anforderungen tauchen mittlerweile quer durch alle Branchen auf. Laut OECD hat inzwischen jede dritte ausgeschriebene Stelle in den Mitgliedsländern einen klaren Bezug zu künstlicher Intelligenz. Es ist dabei nicht unbedingt Spezialwissen gefragt. Vielmehr geht es um grundlegende digitale Souveränität. Wer im Berufsleben Anschluss halten möchte, kommt daher um regelmäßiges Lernen kaum herum – unabhängig davon, ob die Ausbildung zwei oder 30 Jahre zurückliegt. Die gute Botschaft ist, dass jede Lebensphase ihre eigenen Stärken mitbringt. Insofern gibt es auch für jeden den idealen Zugang zum neuen Wissen. „Mitarbeitende, die einmal ins Lernen kommen, merken schnell, dass es leichter wird. Das beobachten wir branchenübergreifend und über alle Erwerbsphasen hinweg. Viele unterschätzen, wie viel sich schon in einer Stunde pro Woche bewegen lässt. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern, dass man konsequent dranbleibt“, erklärt Bettina Desch von Randstad.
Am Anfang des Berufslebens gibt es einen Vorteil, der sich insbesondere nutzen lässt: Lernen ist zu diesem Zeitpunkt sowieso ein wichtiger Teil des Alltags. Die Auszubildende wird in zehn Jahren wahrscheinlich nicht mehr mit derselben Software arbeiten, aber sie wird sich die Fähigkeit erschlossen haben, neue Werkzeuge schnell zu begreifen und anzuwenden. Konkret hilft hier, frühzeitig über die Pflichtinhalte hinauszuschauen: ein Zertifikat in Datenanalyse, ein Modul in englischer Fachsprache, ein freiwilliger Online-Kurs zum Umgang mit KI-Werkzeugen können ein Profil aufbauen, das im weiteren Berufsleben Türen öffnet.
In der Mitte des Berufslebens sieht es anders aus. Hier ist der Tag mit Aufgaben vollgestopft, oft kommen Familie, Verantwortung im Job und manchmal auch körperliche oder geistige Erschöpfung zusammen. Mitarbeitende in Führungspositionen haben leider nur wenig Zeit. Ein festes Lernfenster von einer Stunde pro Woche lässt sich aber meist einrichten und kann mit der Geschäftsführung als Arbeitszeit vereinbart werden. Genauso wirksam: Bildungsurlaub. In den meisten Bundesländern stehen Beschäftigten fünf Tage pro Jahr für anerkannte Weiterbildungen zu, auch quer zur eigenen Fachrichtung. Mitarbeitende, die diese Angebote konsequent nutzen, sammeln über fünf Jahre 25 Tage Weiterbildung an, ohne den Jahresurlaub anzutasten.
In den späten Berufsjahren wird Weiterbildung oft am stärksten unterschätzt, von den Beschäftigten selbst wie von ihren Arbeitgebern. Dabei können jüngere Kollegen und Kolleginnen können den älteren die wichtigsten digitalen Funktionen zur Erleichterung des Arbeitsalltags meist hervorragend erklären. Microlearning-Formate im Tandem, 15 bis 30 Minuten lang, passen dazu besser als Tagesseminare. Die Erfahrung zeigt: Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, die mit fünf oder zehn Jahren Restberufsleben ein neues Werkzeug lernen, verbinden es mit ihrem über Jahrzehnte gewachsenen Fachwissen zu Lösungen, auf die Jüngere schlicht nicht kommen. Davon profitiert dann wiederum der Nachwuchs.
Drei Phasen, drei Wege, und ein gemeinsames Ergebnis: Menschen, die dazulernen, bleiben im eigenen Beruf souverän. Es lohnt sich, am Montagmorgen den Kalender aufzuschlagen und in Absprache mit dem Vorgesetzten oder der Geschäftsführung eine Stunde Lernzeit für die kommende Woche einzutragen.
Quelle: txn. Weiterbildung sieht in jeder beruflichen Phase anders aus, aber sie lohnt sich für Berufseinsteigende, Erfahrene und ältere Beschäftigte gleichermaßen.
txn-Foto: KI generiert/Randstad
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