Keschde, Wein und Pfälzerwald: Der Herbst kann kommen

Keschdezeit in der Pfalz: Wandern, sammeln und genießen

Wenn der Sommer langsam dem Herbst Platz macht, beginnt in der Pfalz eine ganz besondere Zeit: die Keschdezeit. Dann fallen die glänzend braunen Esskastanien aus ihren stacheligen Hüllen und locken Spaziergänger, Wanderer und Genießer in die Wälder.

Die „Keschde“, wie die Edelkastanie bei uns in der Pfalz heißt, gehört längst zur Region wie Wein, Wald und Reben. Gerade im Herbst lässt sich daraus wunderbar ein Ausflug machen: erst durch den Pfälzerwald wandern und Keschde sammeln – und anschließend in einer gemütlichen Gaststätte einkehren.

Die Edelkastanie gehört seit Jahrhunderten zur Pfalz

Die Geschichte der Edelkastanie in der Pfalz reicht weit zurück. Bereits die Römer brachten die Kastanie in die Region. Das milde Klima am Haardtrand und entlang der Deutschen Weinstraße bot ideale Bedingungen für die wärmeliebenden Bäume.

Später war auch König Ludwig I. von Bayern ein großer Freund der Kastanie. Rund um seine Sommerresidenz, die Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben, ließ er mehr als 10.000 Kastanienbäume pflanzen.

Heute befindet sich hier das größte Esskastaniengebiet Deutschlands. Etwa die Hälfte des deutschen Edelkastanienvorkommens wächst in der Pfalz. Rund 3.000 Hektar Kastanienwald erstrecken sich insbesondere rund um Annweiler und entlang des Haardtrands.

Pfälzer Keschdewochen 2026

Ein besonderer Höhepunkt sind die Pfälzer Keschdewochen vom 1. Oktober bis 15. November 2026.

In diesen Wochen dreht sich in vielen Restaurants, Weinstuben und Orten der Region alles um die Esskastanie. Auf den Speisekarten findet man herzhafte Kastaniengerichte, Suppen, Beilagen, Desserts oder süße Kreationen.

Und natürlich gehört für viele zu einem solchen Essen auch ein Glas Pfälzer Wein.

Daneben gibt es Märkte, geführte Wanderungen, Genusstouren und weitere Veranstaltungen rund um die Keschde.

Keschde sammeln im Pfälzerwald

Für viele Pfälzer gehört es im Herbst einfach dazu: Tasche einpacken, feste Schuhe anziehen und ab in den Wald.

Wenn die reifen Kastanien auf dem Waldboden liegen, beginnt vielerorts die Suche nach den schönsten Exemplaren. Gerade für Familien ist das Sammeln ein schönes Naturerlebnis.

Aber Vorsicht beim Griff in die stachelige Hülle: Die Keschde verstecken sich gut und ihre Stacheln können ganz schön pieksen.

Die gesammelten Kastanien lassen sich anschließend beispielsweise rösten, zu Suppe oder Püree verarbeiten oder als Zutat für herbstliche Gerichte verwenden.

Wandern auf dem Pälzer Keschdeweg

Wer die Kastanienlandschaft ausgiebig erleben möchte, kann dem Pälzer Keschdeweg folgen.

Der Hauptweg ist rund 60 Kilometer lang und führt von Hauenstein durch den Pfälzerwald über Annweiler bis an die Deutsche Weinstraße und weiter in Richtung Neustadt an der Weinstraße. Unterwegs geht es immer wieder durch ausgedehnte Kastanienwälder.

Zu den bekannten Orten und Stationen entlang beziehungsweise nahe der Strecke gehören Hauenstein, Annweiler am Trifels, Leinsweiler, Albersweiler, Edenkoben, St. Martin, Hambach und Neustadt an der Weinstraße.

Natürlich muss niemand die gesamte Strecke laufen. Viele Abschnitte eignen sich hervorragend für einen Tagesausflug oder eine gemütliche Herbstwanderung.

Die Pfalz riecht im Juni nach Kastanienblüten

Interessant ist die Edelkastanie übrigens nicht nur während der Erntezeit.

Bereits im Juni verwandeln die hellen Kastanienblüten Teile des Pfälzerwaldes und des Haardtrands. Die langen, cremefarbenen Blütenstände verbreiten einen intensiven Duft und geben den Kastanienwäldern einen fast mediterranen Charakter.

Wer den Keschdeweg einmal im Juni und einmal im Herbst besucht, erlebt deshalb zwei völlig unterschiedliche Landschaften.

Unser Tipp für einen perfekten Keschdetag

Verbindet eine kleine Wanderung mit einem Restaurantbesuch. Morgens oder am frühen Nachmittag geht es in den Pfälzerwald oder auf einen Abschnitt des Keschdewegs. Anschließend könnt Ihr in einer der umliegenden Gemeinden einkehren und ausprobieren, was die Pfälzer Küche aus der Kastanie macht.

Gerade im Oktober zeigt sich die Pfalz oft von ihrer schönsten Seite: bunt gefärbter Wald, Weinberge, Burgen, gemütliche Orte und überall die kleinen braunen Keschde auf dem Waldboden.

Und vielleicht landet am Ende noch eine Tasche voll Kastanien für den eigenen Backofen zuhause.

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