Teile die Sonne: Solarstrom mit dem Nachbarn gemeinsam nutzen

txn. Die Möglichkeit, den selbst erzeugten Solarstrom nicht nur im eigenen Haushalt zu nutzen, sondern auch direkt mit der Nachbarschaft zu teilen, wird nun Realität und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Angesichts steigender Energiepreise und des wachsenden Bewusstseins für nachhaltige Lebensweisen suchen viele Hausbesitzer, die ihr Zuhause sanieren, modernisieren oder neu bauen, nach Wegen, ihre Energieautonomie zu stärken und gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Die jüngsten gesetzlichen Anpassungen eröffnen hierfür vielversprechende Perspektiven, die eine lokale und gemeinschaftliche Energieversorgung greifbarer machen.
Die Kraft der Sonne gemeinsam nutzen: Was sich ändert
Bislang war die Einspeisung überschüssigen Solarstroms ins öffentliche Netz die gängige Praxis für private Photovoltaikanlagenbetreiber. Obwohl die Einspeisung vergütet wird, deckt die Vergütung oft nicht die tatsächlichen Produktionskosten des Solarstroms. Mit Wirkung zum 1. Juni 2026 tritt eine Neuregelung in Kraft, die es ermöglicht, lokal erzeugten Solarstrom ohne umfangreiche bürokratische Hürden direkt an Nachbarn abzugeben. Diese Entwicklung schafft eine rechtliche Grundlage für das „Energy Sharing“ und eröffnet neue Möglichkeiten für eine dezentrale Energieversorgung.
Mehr als nur Einspeisen: Die Attraktivität des Energy Sharing
Die Abgabe von Solarstrom an die Nachbarschaft stellt eine interessante Alternative zur traditionellen Netzeinspeisung dar. Während die Einspeisevergütung für neue Anlagen oft unter den Entstehungskosten des Solarstroms liegt, bietet der direkte Verkauf an Nachbarn die Chance auf ein angemessenes Entgelt. Dies kann die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage erheblich steigern und gleichzeitig den Abnehmern günstigere Strompreise ermöglichen. Martin Brandis, Experte von der Energieberatung der Verbraucherzentrale, fasst die Bedeutung dieser Entwicklung prägnant zusammen: „Solarstrom künftig unbürokratisch an den Nachbarn verkaufen zu können, ist ein weiterer Baustein, um erneuerbare Energien kostengünstig in Wohngebieten zu etablieren, und hat Potenzial die Energiewende in Privathaushalten voranzubringen. Für den privaten Anlagenbetreiber bietet sich eine neue verlässliche Einnahmequelle, die die Wirtschaftlichkeit der Anlage steigert, und zugleich bei den Abnehmern die Stromkosten sinken lässt.“
Praktische Weichenstellungen für den lokalen Stromaustausch
Die Umsetzung des Energy Sharing erfordert einige technische und vertragliche Voraussetzungen. Eine zentrale Rolle spielen dabei intelligente Messsysteme, wie Smart Meter. Diese sind in allen beteiligten Haushalten notwendig, um die Strommengen präzise zu erfassen und zuzuordnen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Energy Sharing nicht die vollständige Stromversorgung der Nachbarn sicherstellt. Die beteiligten Haushalte benötigen weiterhin einen Stromliefervertrag mit einem selbst gewählten Anbieter für die Strommengen, die nicht aus der Solaranlage stammen. Bestehende Verträge können dabei in der Regel beibehalten werden.
Kosten und Erträge im Blick: Eine realistische Betrachtung
Obwohl das Energy Sharing eine attraktive Option darstellt, sind bestimmte Abgaben und Umlagen zu berücksichtigen. Dazu gehören das Netzentgelt, Umlagen für Kraft-Wärme-Kopplung und Offshore-Windenergie sowie die Konzessionsabgabe. Diese Nebenkosten können sich auf zehn bis 15 Cent pro Kilowattstunde belaufen. Trotz dieser Abgaben bleibt das Energy Sharing bei einem durchschnittlichen Strompreis von etwa 30 Cent pro Kilowattstunde eine wirtschaftlich interessante Möglichkeit, den eigenen Solarstrom gewinnbringend zu vermarkten und die Energiekosten der Nachbarschaft zu senken.
Rechtliche Rahmenbedingungen und vertragliche Gestaltung
Für das Energy Sharing ist eine vertragliche Vereinbarung zwischen den beteiligten Parteien unerlässlich. Hierfür sind in der Regel zwei Verträge erforderlich: Einer regelt den Umfang der gemeinsamen Nutzung des Solarstroms, der andere ist ein Stromliefervertrag. Die Verteilnetzbetreiber sind ab dem 1. Juni 2026 verpflichtet, Energy Sharing innerhalb ihres lokalen Netzes zu ermöglichen. Ab Juni 2028 gilt dies auch für Beteiligte in direkt benachbarten Netzgebieten. Es ist zu beachten, dass Energy Sharing ausschließlich für Strom aus erneuerbaren Energien zulässig ist und sowohl aus Erzeugungs- als auch aus Energiespeicheranlagen stammen kann.
Ein Ausblick auf die dezentrale Energiezukunft
Die Möglichkeit, Solarstrom direkt mit der Nachbarschaft zu teilen, markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer stärker dezentralisierten und gemeinschaftlich organisierten Energieversorgung. Für Sanierer, Modernisierer und Baufamilien, die Wert auf Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Unabhängigkeit legen, bietet sich hier eine zukunftsweisende Perspektive. Die sorgfältige Planung und Berücksichtigung der rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen sind dabei entscheidend für den Erfolg dieses Modells. Für eine individuelle und anbieterunabhängige Beratung zu erneuerbaren Energien und weiteren Energiethemen steht die Energieberatung der Verbraucherzentrale zur Verfügung. Es lohnt sich, diese neuen Möglichkeiten genau zu prüfen und aktiv an der Gestaltung einer lokalen Energiewende mitzuwirken.
Quelle: Angesichts steigender Energiepreise und des wachsenden Bewusstseins für nachhaltige Lebensweisen eröffnet das Teilen von Solarstrom zukunftsweisende Perspektiven. | txn-Foto Energieberatung der Verbraucherzentrale, KI
Schlagwörter: Solarstrom mit dem Nachbarn gemeinsam nutzen, Teile die Sonne, txn|
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