Kaiserslautern – „Wegsehen oder vergessen gibt es nicht als brauchbare Lösung“ – Stadt erinnert auf dem Synagogenplatz an die Opfer des Nationalsozialismus

Stadt erinnert auf dem Synagogenplatz an die Opfer des Nationalsozialismus
81 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee haben sich am 27. Januar zahlreiche Menschen, darunter viele Schülerinnen und Schüler Kaiserslauterer Schulen, auf dem Synagogenplatz in Kaiserslautern versammelt, um der Millionen Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.
Oberbürgermeisterin Beate Kimmel erinnerte in ihrer Rede an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, an Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Menschen mit Behinderungen sowie an alle, die aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Überzeugungen oder ihrer sexuellen Orientierung entrechtet und ermordet wurden. „Sie wurden Opfer eines Systems, das auf Hass, Gewalt und der Abwertung anderer beruhte“, so Kimmel.
Zugleich betonte die Oberbürgermeisterin die Bedeutung des Erinnerns für Gegenwart und die Zukunft: „Wegsehen oder vergessen gibt es nicht als brauchbare Lösung.“ Gedenken sei eine bewusste Verantwortung für heute.
„Wir wollen nicht in Schuldzuweisungen rückwärtsgewandt bleiben. Aber uns eint sicher der Wunsch zu verstehen und zu erkennen, wie wir so schreckliches Unrecht auf immer vermeiden können,“ führte sie weiter aus.
Eindringlich sprach die Oberbürgermeisterin auch über aktuellen Antisemitismus, „dass auch heute noch Terrorakte gegen jüdisches Leben verübt werden, deren Traumata weltweit auf die jüdische Glaubensgemeinschaft wirken.“ Mit Blick auf das gesellschaftliche Klima hob Kimmel die Bedeutung des Dialogs hervor: „Auch – und vielleicht gerade dann –, wenn Meinungen weit auseinanderliegen.“ Dabei gelte: „Demokratie lebt vom Austausch. Sie lebt davon, dass wir einander ernst nehmen, Fragen zulassen und unterschiedliche Perspektiven aushalten.“
Dieses Prinzip fand bei der Gedenkfeier auch ganz konkret Ausdruck: Mehrere Kaiserslauterer Schulklassen gestalteten die Veranstaltung aktiv mit. „Mit eurer Auseinandersetzung tragt ihr dazu bei, dass Geschichte nicht fern und abstrakt bleibt“, sagte die Oberbürgermeisterin. Jeder und jede könne einen Beitrag leisten, um die Werte von Frieden, Toleranz und Menschenwürde auch künftig zu erhalten. „Denn Demokratie ist nicht selbstverständlich. Demokratie muss gelebt, verteidigt und gepflegt werden.“ Zugleich hob sie die internationale Dimension des Gedenkens hervor: Die Anwesenheit einer Schülergruppe aus der französischen Partnerstadt Saint-Quentin sei „ein starkes Zeichen für gelebte Völkerverständigung“.
Zum Abschluss erinnerte Beate Kimmel an die im vergangenen Jahr verstorbene Holocaust-Überlebende Margot Friedländer und ihr Vermächtnis: „‚Seid Menschen‘! Lassen Sie uns dieser Bitte bereitwillig folgen.“
Die Gedenkfeier wurde von einem vielfältigen Programm getragen. In persönlichen Beiträgen setzten sich Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Jahrgangsstufe des Burggymnasiums, der 12. Klasse des Hohenstaufen-Gymnasiums, der 10. Klasse der Lina-Pfaff-Realschule+ sowie der 12. Klasse des Albert-Schweitzer-Gymnasiums mit dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auseinander. Weitere Grußworte sprachen Eva Lahl-Gießer für die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz sowie Benedict von Bremen vom Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde. Ein Grußwort mit Gebet sprach Pfarrer Andreas Keller von der katholischen Kirchengemeinde Heiliger Martin. Den religiösen Abschluss bildete ein Gebet in hebräischer Sprache, das Michael Kats von der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz sprach. Den Musikalischen Rahmen bildete das Saxophontrio der Emmerich-Smola-Musikschule Kaiserslautern.
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