Pirmasens – Hugo-Ball-Preis 2027: OB Markus Zwick beruft Vorschlagskommission

Der Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick hat die Vorschlagskommission für den Hugo-Ball-Preis 2027 berufen. Dem dreiköpfigen Gremium gehören die Schriftsteller und ehemaligen Ball-Preisträger Ann Cotten und Feridun Zaimoglu sowie der Autor, Kurator und Verleger Uwe Warnke an.

Bis zum späten Frühjahr soll die Vorschlagskommission einen Konsens über die potenziellen Preisträger erzielen. Über die Verleihung entscheidet eine Jury, der neben dem Oberbürgermeister je zwei Mitglieder der Vorschlagskommission und des Beirates angehören. Die Jury wählt die Preisträger mehrheitlich aus den Vorschlägen der Vorschlagskommission. Anschließend wird die Entscheidung den städtischen Gremien zur Zustimmung vorgelegt.

2027 jährt sich der Todestag des Lautgedicht-Pioniers zum 100. Mal. Aus diesem Anlass plant Pirmasens ein Hugo-Ball-Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen, die an Leben und Wirken des großen Stadtsohnes erinnern. Angedacht sind Konzerte, Theateraufführungen, Vorträge und Lesungen bis hin zu Installationen im öffentlichen Raum. Den Auftakt der Feierlichkeiten markiert die Verleihung des Hugo-Ball-Preises. Die bedeutende Auszeichnung wird üblicherweise im Drei-Jahres-Rhythmus vergeben. Dies wäre regulär 2026 erfolgt, aufgrund des besonderen Jubiläums findet die Verleihung jedoch im Frühjahr 2027 statt – im Rahmen einer öffentlichen Matinee im Forum Alte Post.

Mit dem Kulturpreis würdigt die Siebenhügelstadt das Werk des in Pirmasens geborenen Künstlers, Schriftstellers und Kriegsgegners Hugo Ball (1886-1927). Dieser hat – u. a. 1916 im Zürcher Cabaret Voltaire – mit Dada eine der einflussreichsten Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts mitbegründet. Geehrt werden lebende Persönlichkeiten, die geisteswissenschaftlich und/oder künstlerisch im Sinne Hugo Balls arbeiten. Der Hauptpreis ist mit 10 000 Euro dotiert. Außerdem wird ein Förderpreis mit 5 000 Euro ausgelobt. Nach den 2024 erweiterten Vergabe-Richtlinien soll der Förderpreis an Kunstschaffende verliehen werden, die sich in besonderem Maße gegen Ausgrenzung und Diskriminierung einsetzen.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen Oskar Pastior, Cees Nooteboom, Robert Menasse, Klaus Wagenbach, Patrick Roth, Feridun Zaimoglu, Max Goldt, Andreas Maier, Thomas Hürlimann, Ann Cotten und zuletzt Bov Bjerg. Der Medienkünstlerin Hito Steyerl war der Hauptpreis 2023 zugesprochen worden. Für den Förderpreis war Olivia Wenzel nominiert. Auf beider Wunsch hin wurde die Verleihung ausgesetzt und die Preisgelder zugunsten einer Debatte verwendet, die eine erweiterte Auseinandersetzung mit Antisemitismus und anderen Formen der Diskriminierung ermöglichte.
www.pirmasens.de/hugoballpreis

Zur Person:  Die Schriftstellerin, Lyrikerin, Essayistin und Übersetzerin Ann Cotten wurde 1982 in Ames/Iowa geboren, studierte Germanistik und lebt in Berlin und Wien. Bekannt wurde Cotten insbesondere durch den Lyrikband „Fremdwörterbuchsonette“, der 2007 beim Suhrkamp Verlag erschien. Ann Cotten gilt als die „avancierteste junge deutschsprachige Lyrikerin unserer Zeit“, so das Magazin „Der Spiegel“, 2017. Neben vielen weiteren Preisen, darunter der Christine Lavant Preis, den sie 2024 für ihr Gesamtwerk erhielt, wurde Cotten 2017 mit dem Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens ausgezeichnet. 2026 erscheint beim Suhrkamp Verlag ihr neuer Gedichtband mit dem Titel „Poller Idyllen“.

Feridun Zaimoglu wurde 1963 in Bolu/Türkei geboren, studierte Kunst und Medizin in Kiel, wo er seitdem als Schriftsteller, Drehbuchautor und Dramatiker arbeitet. Für sein Schreiben wurde er vielfach ausgezeichnet, darunter 2005 mit dem Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens. Nach „Leyla“, „Liebesbrand“, „Siebentürmeviertel“, „Evangelio“ und „Die Geschichte der Frau“ erschien zuletzt sein Roman „Sohn ohne Vater“, der für den Deutschen Buchpreis und den Spiegel Buchpreis nominiert war. Als freier Journalist schreibt er u. a. für Zeit, Welt und den Tagesspiegel Literaturkritiken und Essays. Zaimoglu ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland, seit 2011 Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg und Mitbegründer des PEN Berlin.

Der Schriftsteller, Kurator und Verleger Uwe Warnke wurde 1956 in Wittenberg geboren und lebt heute in Berlin. Nach seinem Studium der Kartografie an der TU Dresden gründetet er 1982 in Ostberlin die original-grafische Künstlerzeitschrift Entwerter/Oder, die in der DDR bis 1989 als illegal galt. 1990 gründete er den Uwe-Warnke-Verlag und war 1999 Mitbegründer der Buch-Künstler-Gruppe 13+. Für seine verlegerische Arbeit erhielt er 1991 in Mainz den Victor Otto Stomps-Preis. Als Kurator gestaltete Warnke Ausstellungen zu Visueller Poesie sowie Künstlerbüchern. Aktuell ist seine Ausstellung „Entwerter/Oder und das ‘Zeitschriftenunwesen‘“ im Willy-Brandt-Haus in Berlin zu sehen. Warnke wurde im Herbst 2025 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Hintergrund:

 

Pirmasens und Hugo Ball

 

Die Pflege des künstlerischen Erbes Hugo Balls (1886-1927) hat sich die Stadt Pirmasens bereits vor mehr als fünf Jahrzehnten zum Anliegen gemacht. Um der Ball-Forschung ein Forum zu schaffen, wurde 1970 in Pirmasens die Hugo-Ball-Sammlung gegründet. Die literaturwissenschaftlich ausgerichtete Sammlung verfügt über rund 7 900 Bücher, Dokumente und Objekte. Mittelfristig ist geplant, dass die Hugo-Ball-Sammlung einen neuen Standort beziehen soll, an dem auch Literaturwissenschaftler qualifiziert ihren Forschungen nachgehen können. Der Hugo-Ball-Almanach wird seit 1977 herausgegeben. Seit 2010 erscheint der Almanach im Münchner Verlag edition text + kritik. Die jährlich erscheinende Publikation beschäftigt sich mit dem vielfältigen Werk ihres Namensgebers. Darüber hinaus öffnet sich der Almanach unter seinem jetzigen Bearbeiter Dr. Eckhard Faul auch Autoren, Künstlern und Musikern aus dem Umkreis Balls und des Zürcher Dadaismus. Neben Balls Frau Emmy Hennings sind das die Mitbegründer des Cabaret Voltaire Richard Huelsenbeck, Hans Arp, Tristan Tzara und Marcel Janco. Auch Arbeiten von oder zu anderen Dadaisten finden ebenso Berücksichtigung wie die wissenschaftliche Beschäftigung mit den literarischen und künstlerischen Strömungen in unmittelbarer Nachbarschaft Dadas, also etwa für Arbeiten zu Expressionismus und Futurismus, Bruitismus und Surrealismus. Der Fokus ist dabei stets international ausgerichtet.

Stadt Pirmasens

Datum: 24. Februar 2026|Thema: Facebook, Linkedin, Pirmasens, Top Aktuell, Westpfalz|

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