Kaiserslautern – Kultur und Gesundheit werden vernetzt

Auftakt für Pilotprojekt „Kunst und Kultur auf Rezept“ in der Fruchthalle
Bürgermeister und Kulturdezernent Manfred Schulz gab diese Woche den Startschuss für ein bundesweit einzigartiges Pilotprojekt des Referats Kultur. In der Fruchthalle begrüßte er Vertretungen der Lautrer Kultureinrichtungen sowie Ärztinnen, Psychiater und Psychotherapeutinnen. „Kunst und Kultur auf Rezept“ heißt das Pilotprojekt, mit dem Kaiserslautern eine bundesweite Vorreiterrolle einnimmt.
Hintergrund ist, dass jeder fünfte Arztbesuch ausgelöst wird durch Probleme wie Einsamkeit, Ängste, finanzielle Sorgen oder auch einen erlittenen Verlust. Hier stößt die Schulmedizin an Grenzen. In Ländern wie Großbritannien und Spanien greift hier seit einiger Zeit das Konzept des „Social Prescribing“, der sozialen Verschreibung. Die Ärzte verschreiben geeigneten Patienten keine Medizin oder Therapie, sondern schöne Aktivitäten in der Gesellschaft. Hier spielt Kultur mit Konzert-, Theater- oder Museumsbesuchen, aber auch mit Musik- oder Kunstkursen eine wichtige Rolle. In Deutschland ist dieses Konzept weitgehend unbekannt, während die positive Wirkung durch zahlreiche internationale Studien bereits belegt ist und das Thema bei der Weltgesundheitsorganisation und der EU schon länger auf der Agenda steht.
In Kaiserslautern werden nun in Kooperation mit der psychosomatischen Klinik am Westpfalzklinikum und mit Förderung der Bundeskulturstiftung und des rheinland-Pfälzischen Kulturministeriums ausgewählte Patienten zu einer sogenannten „Link-Workerin“ geschickt, die mit diesen für sie geeignete kulturelle Aktivitäten bespricht und vermittelt. Eine „Machbarkeitsstudie“, geleitet von Chefärztin Janina Geib vom Westpfalzklinikum, wird das Pilotprojekt begleiten und auswerten.
„Ich bin für die Förderung sehr dankbar und hoffe, dass wir diese für unsere Gesellschaft und unser Gesundheitssystem wertvolle Idee in einer zweiten Förderstufe auf eine noch breitere Basis stellen können“, so Bürgermeister Schulz. Christoph Dammann, Leiter des Kulturreferates und Initiator des Projekts, zeigt sich optimistisch: „Anfänglich war auf Seiten der Ärzteschaft bei manchen noch eine Unkenntnis und gewisse Skepsis spürbar, aber jetzt laufen wir offene Türen ein.“
BU: Der Auftakt fand im Probenraum der Fruchthalle statt. Zu sehen sind Christoph Dammann, Manfred Schulz und Janina Geib während der Vorstellungsrunde.
Foto: Stadt Kaiserslautern
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