Pilze sammeln im Pfälzerwald: Was du jetzt finden kannst

Pilze sammeln in Rheinland-Pfalz: Wann welche Pilze wachsen und was du wissen musst

Pilze sammeln gehört zu den schönsten Möglichkeiten, den Wald einmal ganz anders zu erleben. Rheinland-Pfalz bietet dafür ausgezeichnete Voraussetzungen: Pfälzerwald, Hunsrück, Eifel, Westerwald und viele Laub- und Mischwaldgebiete sind Lebensraum zahlreicher Speisepilze. Dabei beginnt die Pilzsaison deutlich früher, als viele denken. Morcheln erscheinen bereits im Frühjahr, Pfifferlinge können ab Frühsommer auftauchen und im September und Oktober beginnt schließlich die große Zeit von Steinpilzen, Maronen und vielen anderen Arten.

Wann ein Pilz tatsächlich erscheint, hängt stark von Wetter, Bodentemperatur und Feuchtigkeit ab. Nach längeren Trockenperioden kann selbst mitten in der Hauptsaison wenig zu finden sein. Wechseln sich dagegen Regen und milde Temperaturen ab, kann der Wald innerhalb weniger Tage völlig anders aussehen.

Wann wachsen welche Pilze?

Als grobe Orientierung für Rheinland-Pfalz eignet sich dieser Saisonkalender:

Pilz Typische Zeit Häufige Standorte
Speisemorchel  April–Mai Auwälder, lichte Laubwälder
Pfifferling  Juni–Oktober Laub-, Misch- und Nadelwald
Sommersteinpilz  Juni–September vor allem unter Eichen und Buchen
Steinpilz  Juli–Oktober, teils November Buchen-, Fichten-, Kiefern- und Mischwald
Maronenröhrling  Juli–November Nadel- und Mischwald
Parasol  Juli–Oktober Waldränder, Lichtungen und Wiesen
Krause Glucke  August–November häufig an alten Kiefern
Birkenpilz & Rotkappe  Juni–Oktober in der Nähe der jeweiligen Baumarten
Austernseitling  Spätherbst bis Winter abgestorbenes Laubholz

 

Die Zeiträume sind allerdings keine festen Termine. In warmen Jahren erscheinen manche Arten früher, nach trockenen Sommern dagegen deutlich später. Besonders September und Oktober sind für Anfänger meist die beste Zeit, weil die Böden noch warm sind und gleichzeitig die Feuchtigkeit zunimmt.

Steinpilze, Pfifferlinge und Maronen

Der Steinpilz gehört für viele Sammler zu den begehrtesten Waldpilzen überhaupt. Er lebt in Gemeinschaft mit bestimmten Bäumen und kommt unter anderem bei Buchen, Eichen, Kiefern und Fichten vor. Wer einmal eine ergiebige Stelle gefunden hat, sollte sie sich merken, denn das Pilzgeflecht lebt dauerhaft im Boden und kann unter günstigen Bedingungen immer wieder Fruchtkörper hervorbringen.

Pfifferlinge können teilweise schon ab Juni auftreten und wachsen häufig in Gruppen. Wer einen entdeckt, sollte deshalb die unmittelbare Umgebung genau absuchen. Sie kommen sowohl in Laub- als auch in Nadelwäldern vor. Maronenröhrlinge gehören dagegen zu den typischen Pilzen des Spätsommers und Herbstes und fühlen sich besonders in Nadel- und Mischwäldern wohl.

Steinpilze, Pfifferlinge, Morcheln, Birkenpilze und Rotkappen gehören zu den besonders geschützten Arten. Sie dürfen trotzdem in geringen Mengen für den eigenen Bedarf gesammelt werden.

Parasol, Krause Glucke und Morchel

Der Parasol fällt schon durch seine Größe auf. Er wächst häufiger an Waldrändern, Lichtungen, auf Wiesen oder an grasigen Wegen als tief im dunklen Wald. Typisch ist sein großer, schirmartiger Hut. Trotzdem sollte auch hier niemals nur nach einem einzelnen Merkmal bestimmt werden, denn kleinere Schirmlinge können problematisch oder sogar giftig sein.

Die Krause Glucke sieht auf den ersten Blick eher wie ein Schwamm oder Blumenkohl aus. Sie wächst häufig am Fuß älterer Kiefern, an deren Wurzeln oder Stümpfen. Gerade im Pfälzerwald lohnt sich deshalb ein genauer Blick rund um ältere Kiefernbestände.

Morcheln gehören dagegen zu den ersten begehrten Speisepilzen des Jahres. Ihre Saison liegt überwiegend im April und Mai. Man findet sie unter anderem in Auwäldern, an Flussläufen, in lichten Laubwäldern und auf kalkreicheren Böden.

Wo sucht man am besten?

Wer erfolgreich Pilze finden möchte, sollte weniger nach einzelnen Pilzen und stärker nach dem passenden Lebensraum suchen. Viele Arten sind eng an bestimmte Baumarten gebunden. Beim Birkenpilz verrät schon der Name den wichtigsten Partner, Krause Glucken sind stark mit Kiefern verbunden und Steinpilze findet man häufig bei Buchen, Eichen, Kiefern oder Fichten.

Auch Boden und Feuchtigkeit spielen eine große Rolle. Moosige Waldstücke, alte Baumbestände, lichte Bereiche und Stellen, an denen der Boden nicht völlig austrocknet, können besonders interessant sein. Nach ergiebigen Regenfällen lohnt sich ein Waldgang oft mehr als nach mehreren trockenen Wochen.

Wer gute Stellen gefunden hat, sollte sie sich merken. Viele erfahrene Sammler besuchen dieselben Waldstücke über Jahre hinweg immer wieder.

Darf man im Pfälzerwald Pilze sammeln?

Grundsätzlich ja, allerdings nur für den persönlichen Bedarf und in kleinen Mengen. Gewerbliches Sammeln benötigt eine besondere Erlaubnis. Eine fest vorgeschriebene Kilogrammzahl gibt es nicht pauschal, häufig wird als Orientierung eine Menge von ungefähr ein bis zwei Kilogramm pro Person und Tag genannt.

In Naturschutzgebieten können strengere Regeln gelten. Dort kann das Sammeln vollständig verboten sein. Auch das Verlassen der Wege kann eingeschränkt werden. Deshalb sollte man sich vor dem Sammeln in Schutzgebieten über die jeweiligen Bestimmungen informieren.

Wichtig ist außerdem ein respektvoller Umgang mit dem Wald. Große Mengen sollten nicht entnommen, der Boden nicht umgegraben und Pilze nicht unnötig zerstört werden.

Was braucht man zum Pilzesammeln?

Viel Ausrüstung ist nicht nötig. Empfehlenswert sind ein luftiger Korb, ein kleines Messer, eventuell eine Bürste zum groben Säubern und festes Schuhwerk. Plastiktüten sind ungeeignet, weil Pilze darin schnell feucht werden und verderben können.

Eine aktuelle Pilzbestimmungsliteratur gehört ebenfalls dazu. Bestimmungs-Apps können eine Hilfe sein, sollten aber niemals alleine darüber entscheiden, ob ein Pilz gegessen wird. Bei unbekannten Pilzen ist ein geprüfter Pilzsachverständiger die deutlich sicherere Anlaufstelle.

Pilze abschneiden oder herausdrehen?

Darüber wird unter Sammlern immer wieder diskutiert. Entscheidend ist weniger die Methode als ein vorsichtiger Umgang. Der Fruchtkörper sollte sauber entnommen und das darunterliegende Pilzgeflecht nicht unnötig beschädigt werden.

Soll ein Pilz später bestimmt werden, ist es sinnvoll, ihn möglichst vollständig herauszunehmen. Gerade die Stielbasis kann wichtige Erkennungsmerkmale enthalten. Anschließend kann die Stelle wieder vorsichtig mit Laub oder etwas Erde bedeckt werden.

Vorsicht vor Verwechslungen

Die wichtigste Regel beim Pilzesammeln lautet: Einen Pilz niemals essen, weil er „ungefähr so aussieht“.

Ein Foto aus dem Internet, eine App oder die Einschätzung eines Bekannten reichen nicht aus. Manche essbaren und giftigen Arten unterscheiden sich nur durch wenige Merkmale. Besonders gefährlich ist der Grüne Knollenblätterpilz, der zu den giftigsten Pilzen Deutschlands gehört und schwere, teilweise tödliche Leberschäden verursachen kann.

Wer einen Pilz nicht zweifelsfrei kennt, lässt ihn stehen oder lässt ihn fachkundig bestimmen. Auch alte, matschige, verschimmelte oder stark von Maden befallene Pilze gehören nicht mehr in den Kochtopf.

Die meisten Wildpilze sollten zudem nicht roh gegessen, sondern ausreichend erhitzt werden.

Was tun bei einer Pilzvergiftung?

Treten nach einer Pilzmahlzeit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, starke Bauchschmerzen oder andere ungewöhnliche Beschwerden auf, sollte sofort medizinischer Rat eingeholt werden. Keine Hausmittel ausprobieren und nicht eigenständig Erbrechen auslösen.

Reste der Pilze, Putzabfälle oder Teile der Mahlzeit sollten aufgehoben werden, weil sie bei der Bestimmung helfen können. Bei schweren Symptomen gilt der Notruf 112.

Warum Pilzesammeln so faszinierend ist

Pilzesammeln ist mehr als nur die Suche nach einer Zutat fürs Abendessen. Man lernt den Wald genauer kennen, achtet plötzlich auf Baumarten, Boden, Feuchtigkeit und Wetter und entdeckt Dinge, an denen man vorher einfach vorbeigegangen wäre.

Und irgendwann passiert genau das, was den Reiz ausmacht: Zwischen braunem Laub und Moos steht plötzlich ein perfekter Steinpilz.

Dann versteht man auch, warum viele Menschen jedes Jahr wieder mit Korb und Messer in den Wald ziehen.

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