Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz – Waldalgesheim macht vor, wie Wärmenetze zukunftsfähig werden

Seit 2003 betreibt die EnergieDienstleistungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH (EDG) in Waldalgesheim ein Nahwärmenetz auf Basis erneuerbarer Energien. Mit der Integration einer großflächigen Solarthermieanlage wird die bestehende Versorgung nun gezielt weiterentwickelt: Bewährte Infrastruktur bleibt erhalten, der Einsatz von Brennstoffen sinkt und die Wärmeversorgung wird noch resilienter gegenüber Energiepreis- und Beschaffungsrisiken.

Vom bewährten Biomassenetz zum transformierten Wärmesystem

Bereits seit dem Jahr 2003 setzt Waldalgesheim auf eine zentrale Nahwärmeversorgung. Versorgt werden die Wohngebiete „Waldstraße“ und „Untere Amalienhöhe“ sowie kommunale Liegenschaften wie Keltenhalle, Kindertagesstätte und Bauhof. Kern der bisherigen Wärmeerzeugung ist Biomasse in Form von Holzhackschnitzeln; weitere Erzeuger dienen der Ergänzung und Absicherung.

Mit der neuen Solarthermie-Freiflächenanlage wird dieses gewachsene Versorgungssystem nicht ersetzt, sondern intelligent transformiert. Genau darin liegt die Stärke des Projekts: Die vorhandene Infrastruktur wird weiter genutzt, gleichzeitig kommt eine zusätzliche erneuerbare Wärmequelle hinzu. Damit steht Waldalgesheim exemplarisch für eine zentrale Aufgabe der Wärmewende in Rheinland-Pfalz – bestehende Wärmenetze Schritt für Schritt zu dekarbonisieren und dabei Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und regionale Verankerung zu erhalten.

„Die Wärmewende entscheidet sich nicht nur beim Neubau. Ein großes Potenzial liegt in unseren bestehenden Wärmenetzen. Wenn wir sie intelligent transformieren und zusätzliche erneuerbare Wärmequellen integrieren, senken wir Emissionen, schonen wertvolle Ressourcen und machen die Wärmeversorgung Schritt für Schritt unabhängiger von fossilen Energien. Waldalgesheim zeigt anschaulich, wie Klimaschutz und Energiewende auf kommunaler Ebene konkret umgesetzt werden können“, erkärt Paul Ngahan, Leiter des Referats Nahwärme und Kompetenzzentrums Nahwärme der Energieagentur Rheinland-Pfalz.

Solarwärme schont die wertvolle Ressource Holz

Die von Ritter XL Solar realisierte Anlage verfügt über 1.889 m² Kollektorfläche mit 144 CPC-Vakuumröhrenkollektoren. Erwartet wird ein jährlicher Solarwärmeertrag von rund 950 MWh. Damit kann die Solarthermie etwa 26 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs des Netzes übernehmen. Die erzeugte Wärme wird in einen 60 m³ großen Pufferspeicher eingespeist und bedarfsgerecht in das bestehende Nahwärmesystem integriert.

Der Mehrwert geht über die reine CO₂-Minderung hinaus: Solarthermie kann insbesondere in den Sommer- und Übergangsmonaten den Einsatz der Verbrennungsanlagen deutlich reduzieren. Dadurch wird die Biomasse dort genutzt, wo ihre Stärken besonders wertvoll sind – bei höheren Lasten und in Zeiten geringer solarer Erträge. Die Kombination von Solarthermie und Holzhackschnitzeln macht die erneuerbare Ressource Holz damit nicht überflüssig, sondern ermöglicht einen sparsameren und zielgerichteteren Einsatz.

Regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit

Nahwärme auf Basis regional verfügbarer erneuerbarer Energien stärkt die Unabhängigkeit von internationalen Brennstoffmärkten. Biomasse kann regional beschafft werden; Solarenergie steht direkt vor Ort und ohne Brennstoffkosten zur Verfügung. Mit jeder Kilowattstunde Solarwärme sinkt deshalb die Abhängigkeit von Energieimporten und schwankenden Brennstoffpreisen.

Gleichzeitig verbleibt ein größerer Teil der Wertschöpfung in der Region: Planung, Bau, Betrieb, Wartung, Forstwirtschaft und Dienstleistungen rund um das Wärmenetz schaffen beziehungsweise sichern regionale Aufträge. Für Kommunen ist diese Kombination von Klimaschutz, Versorgungssicherheit und lokaler Wertschöpfung ein wesentlicher Vorteil gegenüber einer rein fossilen Einzelversorgung.

Bezahlbare Wärmewende durch Nutzung bestehender Infrastruktur

Die Transformation in Waldalgesheim zeigt zugleich, dass Wärmewende nicht zwangsläufig bedeutet, funktionierende Anlagen vollständig zu ersetzen. Wirtschaftlich sinnvoll kann es sein, bestehende Netze und Erzeuger weiter zu nutzen und schrittweise um weitere erneuerbare Wärmequellen zu ergänzen. So können bereits getätigte Investitionen weiterwirken und zusätzliche Transformationsschritte gezielt dort erfolgen, wo sie energetisch und wirtschaftlich den größten Nutzen entfalten.

Gerade in Zeiten volatiler Energiepreise verbessert Solarthermie die langfristige Planbarkeit: Die Sonne stellt keine Brennstoffrechnung. Damit kann die Anlage helfen, den Brennstoffeinsatz und die Abhängigkeit von Preissteigerungen zu begrenzen. Für eine sozial tragfähige Wärmewende ist diese Kombination aus erneuerbarer Erzeugung, effizienter Nutzung vorhandener Infrastruktur und langfristiger Kostenstabilität von besonderer Bedeutung.

Sanierung der Heizzentrale bereits 2022 abgeschlossen

Der solarthermischen Freiflächenanlage vorausgegangen war 2022 bereits die Sanierung der Heizzentrale mit neuem und leistungsstärkeren Holzhachschnitzelkessel auf 700 kWth mit nachgeschaltetem E-Filter zur Reduktion der Staubemission auf einen Wert unter 15 mg/m³ Abgas. Weiter hat die EDG einen separaten Anbau errichtet, um die komplette und sensible Ellektro- und MSR-Technik von der Heizzentrale zu separieren und Platz zu schaffen für ein Blockheizkraftwerk, das mit 20 kW elektrischer Leistung den Stromeigenbedarf aller Anlagen weitgehend deckt und parallel dazu 44 kW hocheffiziente Brennwertwärme in der Grundlast zur Verfügung stellt. Hydraulisch wurde bereits die Einkopplung der geplanten Solarthermieanlage in der Heizzentrale vorgesehen.

„Bezahlbare Wärmeprojekte entstehen dort, wo wir vorhandene Infrastruktur klug weiterentwickeln und die wirtschaftlich sinnvollsten erneuerbaren Wärmequellen miteinander kombinieren. Solarthermie senkt den Brennstoffeinsatz und macht einen Teil der Wärmeerzeugung langfristig unabhängig von Brennstoffpreisen. Das schafft Versorgungssicherheit – für uns als Betreiber sowie für unsere Wärmekundinnen und Wärmekunden. Für die Transformation und Zukunftsfähigkeit der Waldalgesheimer Nahwärmeversorgung haben wir 2022 1,1 Mio. € in die Sanierung der Heizzentrale und jetzt 2,2 Mio. € in die Solarthermie-Freiflächenanlage investiert. In Summe hat die EDG also 3,3 Mio. € Investiert, um die Nahwärme nahezu klimaneutral zu etablieren“, so Christoph Zeis, Geschäftsführer der EnergieDienstleistungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH (EDG).

Wärmewende gelingt gemeinsam

Mindestens ebenso wichtig wie die Technik ist die Zusammenarbeit hinter dem Projekt. Die langfristige Entwicklung der Nahwärmeversorgung in Waldalgesheim ist ein Beispiel dafür, wie Betreiber und Kommune gemeinsam Verantwortung für eine zukunftsfähige Energieversorgung übernehmen können. Die EDG bringt ihre Erfahrung in Planung, Finanzierung und Betrieb ein; die Kommune schafft die lokalen Voraussetzungen und unterstützt die langfristige Verankerung des Wärmenetzes.

Diese Partnerschaft ist auf andere Kommunen in Rheinland-Pfalz übertragbar: Erfolgreiche Wärmewende entsteht dort, wo technische Lösungen, kommunale Entwicklungsziele und ein tragfähiges Betreiberkonzept zusammengeführt werden.

Ein starkes Beispiel für die Transformation bestehender Wärmenetze

Waldalgesheim zeigt, wie aus einer seit mehr als zwei Jahrzehnten bewährten Nahwärmeversorgung ein noch zukunftsfähigeres Wärmesystem werden kann: durch die intelligente Kombination von Biomasse und Solarthermie, die Schonung regionaler Ressourcen, eine höhere Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und die konsequente Nutzung bestehender Infrastruktur.

Das Projekt macht deutlich: Transformation bedeutet nicht zwingend Neubau, sondern häufig die kluge Weiterentwicklung dessen, was bereits vorhanden ist. Damit verbindet Waldalgesheim Klimaschutz mit Versorgungssicherheit, regionaler Wertschöpfung und dem Anspruch, die Wärmewende langfristig bezahlbar zu gestalten.

Orientierende Einordnung der möglichen Holzeinsparung

950 MWh Solarwärme entsprechen rechnerisch rund einem Viertel des jährlichen Wärmebedarfs. Wenn diese Wärmemenge überwiegend Holzhackschnitzel ersetzt, könnte – abhängig von Kesselwirkungsgrad, Holzfeuchte und Heizwert – eine Größenordnung von etwa 320 bis 370 Tonnen Holzhackschnitzeln pro Jahr vermieden werden. Dies ist eine technische Abschätzung und kein gemessener Betriebswert; die tatsächliche Einsparung hängt von der Fahrweise des Gesamtsystems und davon ab, welcher Anteil der Solarwärme Biomasse beziehungsweise Erdgas verdrängt.

Die neue Solarthermieanlage auf einen Blick

Kollektorfläche: 1.889 m2

Solarthermie: 144 CPC-Vakuumröhrenkollektoren

Erwartete Jahreswärmeertrag: rund 950 MWh

Deckungsanteil am Wärmebedarf: ca. 26 %

Pufferspeicher: 60 m³

Quelle: Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH | Foto: EKA.rlp

Datum: 22. September 2026|Thema: Angebote und Tipps, Facebook, Top Aktuell|

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