Und täglich grüßt das Murmeltier: Provisionsinteressen auf dem Campus

Verbraucherzentralen warnen Studierende vor dem Abschluss von Finanzverträgen
Der Semesterbeginn ist bei Studierenden besonders beliebt. Kostenfreie Pröbchen für den Alltag werden an Promotionsständen verteilt oder stecken in sogenannten Ersti-Tüten. Aber nicht nur kleine Aufmerksamkeiten seitens der Konsumgüterhersteller winken als Geschenke. Auch sind Studierende dann wieder verstärkt den Werbeaktionen von Finanzdienstleistern ausgesetzt.
Diese locken mit Ersti-Veranstaltungen, kostenfreien Seminaren, Karriere-Trainings oder einfachen Info-Ständen, um letztlich provisionsbasierte Verträge abzuschließen. Die Verbraucherzentralen nehmen das Werben um die künftig lukrative Zielgruppe der Akademiker:innen zum Anlass für eine Warnung: „Geht am besten gleich auf Abstand, wenn Euch jemand auf dem Campus mit viel Blabla die „besten“ Finanzprodukte verkaufen oder Tipps zum Steuersparen erzählen will. Dahinter stehen fast immer Verkaufsinteressen,” sagt Josephine Holzhäuser, Fachbereichsleiterin Finanzen und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
Die Verbraucherzentralen klären auf. Das sind die fünf häufigsten Maschen der Finanzvertriebe:
- Infostände und Promotion-Aktionen
Zu Semesterbeginn stehen auffällige Stände in Foyers oder vor der Mensa. Studierende werden mit kostenlosen Giveaways oder Gewinnspielen angesprochen, um Kontaktdaten zu sammeln und Termine für Verkaufsgespräche zu vereinbaren. - Kostenlose Seminare und Workshops
Finanzdienstleister bieten scheinbar neutrale Kurse zu „Karriere“, „Steuern“ oder „Altersvorsorge“ an. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen und am Ende konkrete Produkte wie Versicherungen oder Fonds zu platzieren. - Ansprache erfolgt über Strukturen der Hochschulen
Veranstaltungen auf dem Campus und im Netz werden stellenweise über bestehende Mailverteiler beworben. Vertriebsabsichten sind dadurch schlecht bis gar nicht erkennbar. - Direktansprache durch andere Studierende
Teilweise werben Mitstudierende im Freundeskreis oder in Hochschulgruppen für Beratungsgespräche. Die persönliche Ansprache soll Vertrauenswürdigkeit signalisieren und die Hemmschwelle senken. - Lockangebote und Rabattaktionen
Mit speziellen „Studententarifen“ für kapitalbildende und Berufsunfähigkeitsversicherungen, gerne auch kombiniert, werden meist günstige Einstiegskonditionen versprochen. Nach einigen Jahren steigt der Beitrag sprunghaft plus einer dynamischen Steigerung von bis zu zehn Prozent jährlich – sodass junge Verbraucher:innen viele Jahre mit Verträgen belastet sind, die sie erst (zu) spät als teuer und ungeeignet erkennen.
Diese und ähnliche Praktiken können für Studierende erheblichen finanziellen Schaden nach sich ziehen. Die scheinbar seriöse Atmosphäre im Hochschulumfeld und auf dem Campus vermittelt ein Gefühl von Vertrauenswürdigkeit – oft zu Unrecht. Damit Studierende solche Vorgehensweisen erkennen und kritisch hinterfragen können, stellen die Verbraucherzentralen eine umfangreiche Informationsplattform bereit: mit aktuellen Hintergrundberichten, einem Podcast sowie zahlreichen praktischen Tipps. So erfahren Studierende, wem sie ihre persönlichen Daten oder ihre Unterschrift besser nicht anvertrauen sollten.
Wer sich umfassend informieren möchte über Vorgehensweisen, Erfahrungsberichte und ein passendes Selbstlernprogramm, besucht:
Hier geht es direkt zum Podcast: Mit welchen Methoden die Finanzvertriebe arbeiten.
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