Bilanz der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens zum Ausbildungsmarkt

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Die Folgen von Corona brachten im Jahr 2020 Kurzarbeit auf Rekordniveau und einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Westpfalz. Auch 2021 prägte die Pandemie zunächst das Geschehen am Arbeitsmarkt, bevor die positiven Entwicklungen stärkeren Einfluss nahmen. Inzwischen erreichte die Zahl der Arbeitslosen fast wieder das Vorkrisenniveau. Das Arbeitsstellenangebot ist so breit aufgestellt wie noch nie.

Auswirkungen der Pandemie zeigten sich auch im vergangenen Berichtsjahr am Ausbildungsmarkt. Erfreulich ist dabei, dass in der Region weiterhin stark ausgebildet wird und damit in den vergangenen Monaten viele junge Menschen mit einer dualen Ausbildung ins Berufsleben gestartet sind.

Die Agentur für Arbeit begleitete mit den Berufsberaterinnen und Berufsberatern die jungen Männer und Frauen von der Orientierung in der vielfältigen Berufs- und Studienwelt bis hin zum weiterführenden Schulbesuch, zur Aufnahme eines (dualen) Studiums oder zum Beginn einer dualen Ausbildung. Nachdem die Beraterinnen und Berater im ersten Quartal ausschließlich telefonisch, per E-Mail oder über Videoberatung erreichbar waren, konnten sie danach wieder vor Ort in Schulen mit den Schülerinnen und Schüler ins Gespräch kommen.

Von Oktober 2020 bis September 2021 zählte die Agentur für Arbeit in der Westpfalz 3.221 Bewerberinnen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen. Das waren der demografischen Entwicklung geschuldet 443 bzw. 12,1 Prozent weniger junge Menschen auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle als noch im vergangenen Jahr.

„Unser Beratungsangebot wurde an den Schulen wieder sehr stark nachgefragt. Für Schülerinnen und Schüler war der unkomplizierte Zugang zur Berufsberatung wichtig. Auch seitens der Lehrerinnen und Lehrer war man sehr froh, dass nach der langen Zeit ohne persönlichen Kontakt wieder der Austausch vor Ort möglich war und die verschiedensten Anliegen schnell geklärt werden konnten“, sagt Peter Weißler, der Leiter der Agentur für Arbeit.

Zum Ende des Berichtsjahres am 30. September waren von den gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern noch 135 ohne Ausbildungsvertrag, 27 weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig gab es noch viele Chancen die passende Ausbildung oder eine Alternative zu finden. Kammern und Agentur für Arbeit arbeiten hier weiter intensiv zusammen und bieten den jungen Menschen eine intensive Unterstützung an, zeitnah noch eine berufliche Perspektive zu finden.

An der hohen Ausbildungsbereitschaft hielten die Ausbildungsbetriebe in der Westpfalz im zurückliegenden Jahr fest. Dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit waren von Oktober 2020 bis September 2021 insgesamt 2.827 Ausbildungsplätze gemeldet worden. Die Zahl lag somit um 103 bzw. 3,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Das Konkurrieren am Ausbildungsmarkt um gute Azubis war weiter spürbar und Arbeitgeber wünschten sich die bestgeeigneten Jungen und Mädchen zu finden. Sie mussten aber auch ein Stück bereit sein, Kompromisse einzugehen.

„Wir bieten viele Hilfemöglichkeiten, um Auszubildende und Arbeitgeber während der Ausbildung zu begleiten und zu unterstützen. Eine Information bei der Agentur für Arbeit dazu einzuholen, lohnt sich auf jeden Fall. So ist es vielleicht auch eher möglich, das ein oder andere Zugeständnisse mit Blick auf die Anforderungen und die Eignung der künftigen Fachkräfte zu machen“, appelliert Weißler an die Ausbildungsbetriebe mit Blick auf die 554 Ausbildungsstellen, die bis zum 30. September 2021 unbesetzt blieben.

Welche zehn Ausbildungsberufe wurden im zurückliegenden Berichtsjahr am meisten von den Ausbildungsbetrieben der Westpfalz gemeldet?

175 Kaufmann/-frau im Einzelhandel

145 Verkäufer/in

132 Kaufmann/-frau – Büromanagement

104 Medizinische/r Fachangestellte/r

98 Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r

85 Fachkraft – Lagerlogistik

80 Fachverk.-Lebensm.handwerk – Fleischerei

72 Industriekaufmann/-frau

64 Industriemechaniker/in

64 Maler/Lackierer – Gestaltung/Instandh.

Was waren die zehn am meisten genannten Erstberufswünsche der Bewerber (männlich)?

127 Kfz.mechatroniker – PKW-Technik

117 Verkäufer

88 Kaufmann – Büromanagement

81 Fachinformatiker – Systemintegration

67 Fachinformatiker-Anwendungsentwicklung

60 Kaufmann im Einzelhandel

58 Anlagenmech. – Sanitär-/Heiz.-Klimatech.

57 Tischler

55 Fachkraft – Lagerlogistik

51 Industriekaufmann

Was waren die zehn am meisten genannten Erstberufswünsche der Bewerberinnen (weiblich)?

181 Medizinische Fachangestellte

149 Verkäuferin

145 Kauffrau – Büromanagement

68 Kauffrau im Einzelhandel

50 Tiermedizinische Fachangestellte

46 Verwaltungsfachangest.- Kommunalverwalt.

37 Industriekauffrau

34 Zahnmedizinische Fachangestellte

34 Friseurin

24 Drogistin

Welche zehn Ausbildungsberufe waren zum 30. September noch am häufigsten unbesetzt?

39 Fachverk.-Lebensm.handwerk – Fleischere

34 Kaufmann/-frau im Einzelhandel

26 Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r

24 Verkäufer/in

20 Steinmetz/Steinbildhauer – Steinbildh.

18 Hotelfachmann/-frau

17 Koch/Köchin

15 Handelsfachwirt/in (Ausbildung)

15 Kaufmann/-frau – Büromanagement

14 Industriemechaniker/in

Für die Handwerkskammer der Pfalz (HWK) und die Industrie- und Handelskammer für die Pfalz (IHK), mit denen die Agentur für Arbeit eng zusammenarbeitet, war dieses Ausbildungsjahr ebenfalls noch geprägt von den Auswirkungen der Corona-Krise, was deren Bilanzen für die jeweiligen Gesamtbezirke deutlich machen:

Bilanz der Handwerkskammer der Pfalz (HWK)

Im pfälzischen Handwerk wurden bis zum 30. September 2021 2.256 neu eingetragene Lehrverhältnisse registriert. Dies entspricht gegenüber zum Vorjahr (2.290) einem Rückgang von 1,48 Prozent. Das laufende Ausbildungsjahr ist immer noch von der Corona-Krise geprägt, die sich auf die Ausbildungsbilanz aller rheinland-pfälzischen Kammerbezirke niederschlägt. Dennoch waren die pfälzischen Handwerksbetriebe bereit, etwa im gleichen Umfang wie im Vorjahr auszubilden. Grund ist der nach wie vor hohe Bedarf an Nachwuchs- und Fachkräften im Handwerk. Junge Menschen auf den üblichen Kommunikationswegen zu erreichen, war diesen Sommer allerdings genauso schwierig wie im Vorjahr. Fehlende Präsenz-Berufsorientierungsmaßnahmen, Informationsveranstaltungen in den Schulen oder Ausbildungsmessen wurden soweit wie möglich durch virtuelle Formate ersetzt. Ein Schwerpunkt wurde dieses Jahr auf die verstärkte Kooperation mit Schulen und Eltern gelegt. Mit verschiedenen – vor allem digitalen – Aktivitäten und Maßnahmen unterstützt die Handwerkskammer der Pfalz die Betriebe und Ausbildungsinteressierte bei der Vertragsanbahnung.

Bilanz der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz (IHK)

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz wurden von Januar bis Ende September 4.330 neue Ausbildungsverträge eingetragen – das sind 2,3 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Rund 400 offene Ausbildungsplätze sind aktuell alleine in der Lehrstellenbörse der IHK ausgewiesen.

„Auch in diesem Jahr sind wegen der Corona-Pandemie viele Ausbildungsmessen ausgefallen und besonders auch die Berufsorientierung an Schulen fand nur sehr reduziert statt“, sagt Michael Böffel, verantwortlich für den Bereich Ausbildung bei der IHK Pfalz. „Der Fachkräftemangel ist nun vollends in der pfälzischen Wirtschaft angekommen, denn es fehlt bereits an Fachkräften in den Unternehmen. Die Fachkräftelücke in der Wirtschaft wird immer größer, und oftmals reicht die Nachwuchsgewinnung über eine Ausbildung nicht mehr aus, um ausscheidende Mitarbeiter zu ersetzen. Für die kommenden Jahrzehnte wird das Schließen dieser Lücke eine unserer größten Herausforderungen werden“, ergänzt Böffel.

In diesem Jahr sind bei jungen Menschen wieder besonders kaufmännische Ausbildungsberufe beliebt, beispielsweise Kaufleute für Büromanagement oder Berufe im Einzelhandel. Geringe Eintragungszahlen weisen dagegen Ausbildungsberufe im gastronomischen Bereich auf. Das liegt laut IHK vor allem an der massiven Unsicherheit aufgrund der Corona-Pandemie, denn wegen der damit einhergehenden Unsicherheit stellen Unternehmen aus diesem Bereich nur zaghaft ein.