Der Wasserstand des Gelterswoogs ist schockierend

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Vorab Zusammenfassung des RP Artikels vom 21.06.2021 im Sinne des Gelterswoog (Bitte trotzdem selbst lesen):
* Wasserzuführung aus der Schäckersdell-Quelle in der Prüfung.
* Gutachten Grundwasserbewirschaftung primäre Entscheidungsgrundlage.
* Aktionen anstelle von Verzögerungen durch unnötige weitere Gutachten.

Gelterswoog bereitet weiter Sorgen ( Stand 21.06.2021)

Erschreckende Dürre am Gelterswoog (Foto nicht von View)
Erschreckende Dürre am Gelterswoog (Foto nicht von View)

„Der Wasserstand des Gelterswoogs ist schockierend“, sagt der Beigeordnete Peter Kiefer. Anfang Juni fehlten schon 26 Zentimeter Wasser, Anfang Mai lag der Pegel noch drei Zentimeter höher. Und das, obwohl es im Mai nur geregnet hat.

Die gute Nachricht: Eine Beschränkung des Sportbetriebs ist auch bei niedrigem Wasserpegel nicht zu befürchten. Die strengen Vorgaben, die die Obere Wasserbehörde vor zwei Jahren noch ausgegeben hatte, sind vom Tisch. Allerdings offenbart sich immer mehr, dass der Klimawandel dem beliebten Badesee permanent zusetzt. Der Pegel sinkt. Im Mai 2019 lag er bei 45,6 Zentimeter, ein Jahr später bei 36 Zentimeter, 2021 bei 23.

Deshalb gibt es für Kiefer eigentlich nur eine Lösung: Wasser aus dem Tiefbrunnen Schäckersdell einzuleiten. Alle anderen Überlegungen, wie den Boden abzudichten oder Wasser aus dem Walkmühltal durch Leitungen, die erst einmal verlegt werden müssten, zuzuführen, hält er für unrealistisch, zu teuer oder einfach nicht umsetzbar. Eine schnelle Lösung für das Problem ist aber nicht Sicht.

Um Wasser wie früher aus der Schäckersdell einlaufen zu lassen, müsste zwar die Zuleitung für 80.000 Euro erneuert werden, aber das sei wohl finanzierbar. Abgekommen sind die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung deshalb auch von der Idee, weitere Gutachten in Auftrag zu geben. „Wir müssen jetzt die Entscheidung des Arbeitskreises Grundwasserbewirtschaftung abwarten“, sagt Kiefer.

In diesem Kreis sitzt Bettina Dech-Pschorn, die Leiterin des Umweltreferates. “Wir haben den Wunsch, Wasser für den Gelterswoog zu nutzen, eingebracht.” Derzeit werden aus dem Brunnen Schäckersdell 85.000 Kubikmeter für die Trinkwasserversorgung entnommen. Ein Wasserrecht gibt es aber für die Entnahme von 100.000 Kubikmeter. Dech-Pschorn geht davon aus, dass 30.000 bis 70.000 Kubikmeter im Jahr reichen würden, um den Gelterswoog nicht austrocknen zu lassen.

Fachleute gehen davon aus, dass der Gelterswoog mit seiner Wasserfläche von zwölf Hektar ein Volumen von 180.000 Kubikmeter hat. “Ursächlich für den zuletzt häufig niedrigen Wasserstand sind definitiv die Hitze und der fehlende Niederschlag, die sich dann auch auf den Zufluss auswirken”, so Dech-Pschorn. In normalen Jahren fließen 446.000 Kubikmeter Wasser zu, in trockenen Jahren nur 133.000. Wenn dann noch Wasser verdunste und versickere, komme es zu Problemen. Das alles habe eine Vorstudie bereits dargelegt.

Dech-Pschorn schließt aus, dass sich durch den kaputten Mönch in einem der oberen Weiher im Walkmühltal die Situation am Gelterswoog verschärft hat. Im Gegenteil, die Weiher seien ja trocken gelaufen, das hätte dem Gelterswoog eigentlich helfen müssen, meint sie.

Mönch im Walkmühltal, auch hier trockenliegende Ufer. (Foto agenturfrei, Daumen von Jörg Kirsch 🙂 )

Dass es kein schnelles Okay für die Zuleitung von Wasser geben wird, macht Dech-Pschorn deutlich. “Es muss genau berechnet werden, ob der Grundwasserkörper noch ausreichend Ressourcen hat.” Einfach generell zum Wassersparen aufzurufen und daraus dann Hoffnung für ein Recht auf Wasserzuleitung für den Gelterswoog abzuleiten, das sei definitiv keine Option, erklärt Kiefer. “Für so etwas gibt es keine Ermächtigungsgrundlage.” Zumal bei der Wasserversorgung die Gesamtsituation im Zweckverband Wasserversorgung Westpfalz betrachtet werden müsse.

Der Bedarf zur Trinkwasserversorgung der Stadt Kaiserslautern liegt laut Dech-Pschorn derzeit bei acht Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr. Im Rahmen der laufenden Fortschreibung des Grundwasserbewirtschaftungskonzeptes werde der Bedarf neu berechnet, das sei auch abhängig von der Bevölkerungsentwicklung.

Kiefer verdeutlicht, dass keine Aussicht darauf bestünde, die Wiesen im Walkmühltal und den Zufluss zu reinigen, um den Wasserdurchfluss zu erhöhen. Das widerspreche den Naturschutzauflagen in dem Gebiet. Es bleibe wirklich nur die Hoffnung auf die Schäckersdell, um den beliebten Badesee perspektivisch zu retten.

Dech-Pschorn berichtet, dass sie ständig über die hydrologische Situation informiert wird. Die jährliche Wasserbilanz sei seit dem Jahr 2016 negativ. Nach dem vielen Regen im Mai beispielsweise dauere es bis zu sechs Monate, bis sich die Grundwasserspeicher wieder füllten. Es sehe definitiv alles danach aus, dass sich die zunehmende Verdunstung und die seit Jahren fehlenden Niederschläge auf die Wasserressourcen auswirkten, nicht die Wasserentnahme der Stadtwerke sei das Problem. “Dafür gibt es keinen Nachweis”, so Dech-Pschorn.

Auch bei anderen Woogen rund um die Stadt macht sich der Klimawandel bemerkbar. “Der Jagdhausweiher, der in Privatbesitz sei, hatte sich im Mai wieder etwas gefüllt”, erklärt Kiefer. Jetzt sieht es schon wieder nicht gut aus. Er werde definitiv nicht künstlich befüllt, wenn es zu Trockenphasen komme.

Die Situation an Vogelwoog und Blechhammer sei nicht ganz so dramatisch. So sinke der Wasserstand am Vogelwoog weniger stark ab als der des Gelterswoogs und erhole sich schneller von Trockenphasen. Beim Wasserstand des Blechhammers gebe es nur geringe Schwankungen. Aber auch dort wirke sich der Klimawandel aus. “Deshalb müssen irgendwann einmal  grundsätzliche Entscheidungen getroffen werden, ob man die natürlichen Veränderungen akzeptiert oder auf Dauer künstlich eingreifen will”, sagt Dech-Pschorn.

Sie verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Lauterspring, eine der wichtigsten Quellen im Pfälzerwald. “Die schüttete früher 140 Liter pro Sekunde, im April dieses Jahres waren es noch 38,5 Liter.” Dieser Trend halte seit dem Jahr 2013 an. Klar sei, dass die Interessenskonflikte bei einem abnehmenden Wasserdargebot zunehmen, prophezeit die Leiterin des Umweltreferates.

Quelle: Rheinpfalz vom 21.06.2021, Text Claudia Schneider

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